In seinen zahlreichen Schriften sagt Josef Frank zur äußeren Gestalt der Architektur wenig und zu jener des Hauses Beer gar nichts. In Der Haus als Weg und Platz (1931) bildet er zwar Schemata der Straßen- und der Gartenfassade ab, in die sich parallel oder im rechten Winkel zueinanderstehende Linien eingetragen finden, doch werden diese vom Text nicht kommentiert. In Architektur als Symbol (1931) preist er die „uralten Lehren“ und „ewigen Proportionsgesetze, die Harmonie aller Teile eines Ganzen zu erreichen“, ohne jedoch zu verraten, von welchen Proportionen er genauerhin spricht. Der Beitrag vergleicht Franks Proportionsschemata des Hauses Beer mit Le Corbusiers tracés régulateurs, führt beide auf August Thierschs „Lehre von der Analogie und Ähnlichkeit der Figuren“ und auf Heinrich Wölfflins „umgekehrte Proportionalität“ zurück und diskutiert ihren Ursprung in der Suche nach Proportionen, die unabhängig von Zahlen und metaphysischen Begründungen sind, also nicht nur gedacht, sondern auch vom Menschen wahrgenommen werden können, und die gleichzeitig die moderne Architektur legitimierend und nobilitierend an die Geschichte zurückzubinden vermögen.

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Menschliche Proportionen? Josef Franks Villa Beer und Le Corbusiers Tracés régulateurs

  • Berthold Hub

摘要

In seinen zahlreichen Schriften sagt Josef Frank zur äußeren Gestalt der Architektur wenig und zu jener des Hauses Beer gar nichts. In Der Haus als Weg und Platz (1931) bildet er zwar Schemata der Straßen- und der Gartenfassade ab, in die sich parallel oder im rechten Winkel zueinanderstehende Linien eingetragen finden, doch werden diese vom Text nicht kommentiert. In Architektur als Symbol (1931) preist er die „uralten Lehren“ und „ewigen Proportionsgesetze, die Harmonie aller Teile eines Ganzen zu erreichen“, ohne jedoch zu verraten, von welchen Proportionen er genauerhin spricht. Der Beitrag vergleicht Franks Proportionsschemata des Hauses Beer mit Le Corbusiers tracés régulateurs, führt beide auf August Thierschs „Lehre von der Analogie und Ähnlichkeit der Figuren“ und auf Heinrich Wölfflins „umgekehrte Proportionalität“ zurück und diskutiert ihren Ursprung in der Suche nach Proportionen, die unabhängig von Zahlen und metaphysischen Begründungen sind, also nicht nur gedacht, sondern auch vom Menschen wahrgenommen werden können, und die gleichzeitig die moderne Architektur legitimierend und nobilitierend an die Geschichte zurückzubinden vermögen.