Dieser Beitrag untersucht, wie deutsche Leitmedien über Gewaltkriminalität berichten und wie sich die Darstellung von Opfern und Tatverdächtigen verändert hat. Während in früheren Jahrzehnten Tatverdächtige im Vordergrund standen, rückten seit den 2000er-Jahren vermehrt Opfer in den Fokus – allerdings stark selektiv: Kinder und weibliche Opfer gelten als „worthy victims“ und werden überproportional hervorgehoben. Das Interesse gilt vor allem gravierender Gewalt. Interviews mit Journalistinnen und Journalisten zeigen, dass Publikumsinteresse und emotionale Wirkung zentrale Kriterien der Berichterstattung sind. Die in Forschungsinterviews bekundeten Auswahlkriterien erweisen sich in Inhaltsanalysen von 2007 bis 2025 als klar handlungsrelevant: Tötungsdelikte dominieren, Opfer kommen häufiger zu Wort als Tatverdächtige, und vor allem kindliche Opfer werden stark überrepräsentiert.

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Medien, Markt und Mitgefühl: Gewaltopfer in der Berichterstattung

  • Thomas Hestermann

摘要

Dieser Beitrag untersucht, wie deutsche Leitmedien über Gewaltkriminalität berichten und wie sich die Darstellung von Opfern und Tatverdächtigen verändert hat. Während in früheren Jahrzehnten Tatverdächtige im Vordergrund standen, rückten seit den 2000er-Jahren vermehrt Opfer in den Fokus – allerdings stark selektiv: Kinder und weibliche Opfer gelten als „worthy victims“ und werden überproportional hervorgehoben. Das Interesse gilt vor allem gravierender Gewalt. Interviews mit Journalistinnen und Journalisten zeigen, dass Publikumsinteresse und emotionale Wirkung zentrale Kriterien der Berichterstattung sind. Die in Forschungsinterviews bekundeten Auswahlkriterien erweisen sich in Inhaltsanalysen von 2007 bis 2025 als klar handlungsrelevant: Tötungsdelikte dominieren, Opfer kommen häufiger zu Wort als Tatverdächtige, und vor allem kindliche Opfer werden stark überrepräsentiert.