Die Angst der Menschen vor dem Verbrechen bildet heute ein eigenständiges Objekt wissenschaftlicher Untersuchung und präventionsorientierter Intervention. Der vorliegende Beitrag gibt daher einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zur Furcht vor Kriminalität. Behandelt werden die Messung, Verteilung und Ursachen der Kriminalitätsfurcht. Die Sichtung der Literatur macht deutlich, dass vulnerable Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich häufig von kriminalitätsbezogenen Unsicherheitsgefühlen betroffen sind, deren erhöhte Verbrechensfurcht aber nur sehr begrenzt auf persönliche Opfererfahrungen zurückgeführt werden kann. Die Wurzeln der Furcht vor Kriminalität liegen eher in durch Unordnungssymbole in der näheren Lebenswelt ausgelösten Irritationen und diffusen Ängsten im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Eigene statistische Analysen zeigen indes, dass eine individuelle Polyviktimisierung sehr wohl in ein gehobenes Unsicherheitsempfinden mündet. Versatile Opferwerdungsbiographien kommen aber zu selten vor, um hier maßgebliche Erklärungskraft zu erlangen.

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Kriminalitätsfurcht – Viktimisierungsfolge oder Ausdruck breiterer Transformationsängste?

  • Helmut Hirtenlehner,
  • Nathalie Leitgöb-Guzy

摘要

Die Angst der Menschen vor dem Verbrechen bildet heute ein eigenständiges Objekt wissenschaftlicher Untersuchung und präventionsorientierter Intervention. Der vorliegende Beitrag gibt daher einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zur Furcht vor Kriminalität. Behandelt werden die Messung, Verteilung und Ursachen der Kriminalitätsfurcht. Die Sichtung der Literatur macht deutlich, dass vulnerable Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich häufig von kriminalitätsbezogenen Unsicherheitsgefühlen betroffen sind, deren erhöhte Verbrechensfurcht aber nur sehr begrenzt auf persönliche Opfererfahrungen zurückgeführt werden kann. Die Wurzeln der Furcht vor Kriminalität liegen eher in durch Unordnungssymbole in der näheren Lebenswelt ausgelösten Irritationen und diffusen Ängsten im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Eigene statistische Analysen zeigen indes, dass eine individuelle Polyviktimisierung sehr wohl in ein gehobenes Unsicherheitsempfinden mündet. Versatile Opferwerdungsbiographien kommen aber zu selten vor, um hier maßgebliche Erklärungskraft zu erlangen.