Anschläge, ihre Folgen und die Bedürfnisse der Betroffenen – Überlegungen am Beispiel einer Amokfahrt
摘要
Ziel dieser Fallstudie aus dem Büro der Landesopferbeauftragten Hessen war es, Erkenntnisse über das Befinden der Betroffenen einer Amokfahrt nach drei Jahren zu gewinnen, insbesondere vor dem Hintergrund weiterer möglicherweise stressauslösender Faktoren wie Revisionsentscheidung, Rückgabe von Asservaten und dem dritten Jahrestag mit dem zeitgleich erstmals wieder stattfindenden Karnevalsumzug. Es existiert viel klinische Forschung zu möglichen Traumafolgestörungen nach Anschlägen, jedoch wenig Forschung mit phänomenologischem Ansatz zu Dauer, Folgen und Auswirkungen auf das Alltagsleben der Betroffenen. Vorliegender Aufsatz möchte zum Schließen dieser Lücke beitragen. Eine Umfrage per Fragebogen ergab in 26 Antworten von Betroffenen fortbestehende Belastungen, aber auch Dankbarkeit. Weitere Kernthemen wurden mit Sicherheit, Kommunikation, Gemeinschaft/Nähe und juristischer Aufarbeitung identifiziert. In einem Betroffenentreffen und bei der Asservatenrückgabe wurde versucht, diesen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Die Auswirkungen einer Amokfahrt auf das Alltagsleben können lang andauern und dabei individuell und nach Zeitpunkten differieren. Gleichwohl zeigen sich ähnliche Grundbedürfnisse. Es empfiehlt sich, für Betroffene Strukturen für eine dauerhafte Ansprechbarkeit vorzuhalten. Für besonders vulnerable Betroffene kann ein follow-up, ein aktives Nachfragen durch die Unterstützungseinrichtung, sinnvoll sein. Voraussetzung eines opferschutzgerechten Vorgehens sind eine sorgsame Planung und die Abstimmung sämtlicher relevanten Akteurinnen und Akteure. Weiter zu erforschen wäre, welche Bedeutung dem Faktor Dankbarkeit im Kontext einer Bewältigungserfahrung zukommt.