Der Beitrag untersucht, inwiefern Merkmale Schweizer Kantone die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, Opfer von Kriminalität zu werden. Während sich die Kriminologie traditionell stärker auf die Täter- als auf die Opferforschung konzentriert, werden im Beitrag vier ökologische Theorie-Ansätze herangezogen, um Opferwerdung zu erklären: Die Anomietheorie und deren Weiterentwicklung die Institutional-Anomie-Theory, die Desorganisationstheorie und die Broken-Windows-Theorie. Zur empirischen Prüfung werden Daten des Crime Survey 2022 genutzt, einer schweizweit repräsentativen Befragung mit über 15.000 Teilnehmenden aus allen 26 Kantonen. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Kantonen bei fünf von sieben Viktimisierungsformen. Individuelle Merkmale wie Alter, wahrgenommene Incivilities und Routineaktivitäten beeinflussen die Opferwerdung. Zusätzlich erweisen sich auf Kantonsebene insbesondere soziale Desorganisation, Incivilities und Anomie (abgebildet über Arbeitslosenquote) als relevante Prädiktoren für Viktimisierungen. Die Ergebnisse legen somit nahe, dass auch Kontextmerkmale bedeutsam für die Kriminalitätsopfererfahrungen sind. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund verschiedener Limitationen der Studie diskutiert.

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„Sag mir, wo du wohnst, und ich sag dir, ob du Kriminalitätsopfer wirst oder nicht“. Regionale Unterschiede der Viktimisierungswahrscheinlichkeit und deren Einflussfaktoren

  • Dirk Baier,
  • Lorenz Biberstein,
  • Nora Markwalder

摘要

Der Beitrag untersucht, inwiefern Merkmale Schweizer Kantone die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, Opfer von Kriminalität zu werden. Während sich die Kriminologie traditionell stärker auf die Täter- als auf die Opferforschung konzentriert, werden im Beitrag vier ökologische Theorie-Ansätze herangezogen, um Opferwerdung zu erklären: Die Anomietheorie und deren Weiterentwicklung die Institutional-Anomie-Theory, die Desorganisationstheorie und die Broken-Windows-Theorie. Zur empirischen Prüfung werden Daten des Crime Survey 2022 genutzt, einer schweizweit repräsentativen Befragung mit über 15.000 Teilnehmenden aus allen 26 Kantonen. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Kantonen bei fünf von sieben Viktimisierungsformen. Individuelle Merkmale wie Alter, wahrgenommene Incivilities und Routineaktivitäten beeinflussen die Opferwerdung. Zusätzlich erweisen sich auf Kantonsebene insbesondere soziale Desorganisation, Incivilities und Anomie (abgebildet über Arbeitslosenquote) als relevante Prädiktoren für Viktimisierungen. Die Ergebnisse legen somit nahe, dass auch Kontextmerkmale bedeutsam für die Kriminalitätsopfererfahrungen sind. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund verschiedener Limitationen der Studie diskutiert.