Viktimisierung im Justizvollzug
摘要
Gewalt unter Inhaftierten ist ein nahezu alltägliches Phänomen. Vor allem psychische Gewalt, in Form von Beleidigungen oder Ausgrenzung, ist im Vollzug weit verbreitet. Es kommt allerdings auch immer wieder zu physischen und sexuellen Übergriffen von Inhaftierten gegenüber ihren Mitgefangenen. Eine Vielzahl von Studien hat sich mit der Frage befasst, welche Merkmale die Gefangenen aufweisen, die zu Opfern und/oder Täter*innen werden, und welche Merkmale der Justizvollzugsanstalten das Gewaltvorkommen beeinflussen. Gemäß der Deprivationstheorie sollte es vor allem in Vollzugsanstalten, in denen die Haftbedingungen besonders belastend für die Gefangenen sind, häufig zu Gewalt kommen. Der Routine-Activity-Ansatz postuliert hingegen, dass es zu Gewalt unter Inhaftierten kommt, wenn motivierte Täter*innen und geeignete Opfer ohne wirksamen Schutz aufeinandertreffen. Vor dem Hintergrund dieser Theorien werden potenzielle Risikofaktoren für Gewalt im Vollzug auf ihre empirische Evidenz hin untersucht. Hierbei wird sowohl auf Forschung im deutschen Justizvollzug, als auch auf internationale Studienergebnisse eingegangen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Merkmalen der Gefangenen, die sie als „geeignete Opfer“ erscheinen lassen könnten, und mit einem erhöhten Viktimisierungsrisiko einhergehen.