Noch besteht Unsicherheit darüber, ob man bei den computationalen Fähigkeiten moderner Programme tatsächlich von Intelligenz sprechen kann. Der Turing-Test ist das bekannteste Beispiel für eine verhaltensbasierte Charakterisierung, die im Kern auf Täuschung beruht. Eine Maschine gilt als intelligent, sofern sie in der Lage ist, „so zu handeln, als wäre sie ein Mensch“. Eine sehr ähnliche Frage wurde bereits im klassischen Konfuzianismus diskutiert. Um epistemische Unsicherheiten hinsichtlich der Existenz von Geistern und Gespenstern zu bewältigen, schlug Konfuzius vor, ihnen lediglich so Opfer darzubringen „als ob“ (ru 如) sie anwesend wären. Xunzi verschärfte diese Position noch weiter, indem er die emotionalen und gesellschaftspolitischen Vorteile einer Regenzeremonie hervorhob und gleichzeitig einen realistischen Geisterglauben kritisierte. Der konfuzianische Ansatz berücksichtigt unsere Unwissenheit und legt einen distanzierten, aber respektvollen Umgang mit der vermeintlichen KI nahe. Eine Xunzianische „als-ob“-Haltung gegenüber KI mündet in einem konfuzianischen, fiktionalsten Techno-Animismus, der uns dazu auffordert, unsere Empathie auch auf unbelebte Maschinen auszuweiten.

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Scheinbar menschlich – Xunzis „als-ob“-Perspektive auf K.I.

  • Tim Dressler

摘要

Noch besteht Unsicherheit darüber, ob man bei den computationalen Fähigkeiten moderner Programme tatsächlich von Intelligenz sprechen kann. Der Turing-Test ist das bekannteste Beispiel für eine verhaltensbasierte Charakterisierung, die im Kern auf Täuschung beruht. Eine Maschine gilt als intelligent, sofern sie in der Lage ist, „so zu handeln, als wäre sie ein Mensch“. Eine sehr ähnliche Frage wurde bereits im klassischen Konfuzianismus diskutiert. Um epistemische Unsicherheiten hinsichtlich der Existenz von Geistern und Gespenstern zu bewältigen, schlug Konfuzius vor, ihnen lediglich so Opfer darzubringen „als ob“ (ru 如) sie anwesend wären. Xunzi verschärfte diese Position noch weiter, indem er die emotionalen und gesellschaftspolitischen Vorteile einer Regenzeremonie hervorhob und gleichzeitig einen realistischen Geisterglauben kritisierte. Der konfuzianische Ansatz berücksichtigt unsere Unwissenheit und legt einen distanzierten, aber respektvollen Umgang mit der vermeintlichen KI nahe. Eine Xunzianische „als-ob“-Haltung gegenüber KI mündet in einem konfuzianischen, fiktionalsten Techno-Animismus, der uns dazu auffordert, unsere Empathie auch auf unbelebte Maschinen auszuweiten.