Die Volksrepublik China (VR China) nimmt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eine zunehmende Vorreiterrolle ein und prägt dabei auch aktiv Debatten und Regulierungen im Kontext von ethischen Dimensionen. In parteistaatlichen Positionen und Dokumenten setzt sich zunehmend ein Primat des Kollektivs und der Kontrollierbarkeit von KI durch – auch beeinflusst von zeitweise sehr mahnenden Stimmen von Chinas IT-Unternehmern und Experten. Die in diesem Kapitel untersuchte Debatte um KI und Ethik auf der Frage-und-Antwort-Plattform Zhihu zeigt ein sehr eigenes, differenziertes Bild von Themen und Einstellungen. Im Zeitraum September 2022 bis Januar 2025 stehen bei den 13 Fragen mit jeweils 20 Antworten aus der Plattform-Hotlist vor allem die Facetten des Menschen im Mittelpunkt – sei als Designer, als Gegner, als Opfer oder auch als Referenz für anthropomorphische Beschreibungen der KI. Der fehlbare und böse Mensch gilt den Nutzerinnen und Nutzern der Plattform dabei als größte Gefahr für eine KI-Ethik. Ethik binden die meisten Autoren dabei an technischen Fortschritt und nicht an beständigere Leitplanken. Auch dies bestätigt wiederum eher eine nüchterne Sicht auf den Menschen, der als geprägt von ethischen Vorstellungen und diese prägend, sich wenig an tradierte oder transzendentale Prinzipien gebunden sieht. Möglicherweise ist der somit in manchen Umfragen festgestellte Tech-Optimismus in China auch das Produkt eines sehr pessimistischen Menschenbildes.

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Zwischen Tech-Optimismus und Problem Mensch. Positionen zu KI und Ethik in der VR China

  • Kristin Shi-Kupfer,
  • Tilman Schalmey

摘要

Die Volksrepublik China (VR China) nimmt im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eine zunehmende Vorreiterrolle ein und prägt dabei auch aktiv Debatten und Regulierungen im Kontext von ethischen Dimensionen. In parteistaatlichen Positionen und Dokumenten setzt sich zunehmend ein Primat des Kollektivs und der Kontrollierbarkeit von KI durch – auch beeinflusst von zeitweise sehr mahnenden Stimmen von Chinas IT-Unternehmern und Experten. Die in diesem Kapitel untersuchte Debatte um KI und Ethik auf der Frage-und-Antwort-Plattform Zhihu zeigt ein sehr eigenes, differenziertes Bild von Themen und Einstellungen. Im Zeitraum September 2022 bis Januar 2025 stehen bei den 13 Fragen mit jeweils 20 Antworten aus der Plattform-Hotlist vor allem die Facetten des Menschen im Mittelpunkt – sei als Designer, als Gegner, als Opfer oder auch als Referenz für anthropomorphische Beschreibungen der KI. Der fehlbare und böse Mensch gilt den Nutzerinnen und Nutzern der Plattform dabei als größte Gefahr für eine KI-Ethik. Ethik binden die meisten Autoren dabei an technischen Fortschritt und nicht an beständigere Leitplanken. Auch dies bestätigt wiederum eher eine nüchterne Sicht auf den Menschen, der als geprägt von ethischen Vorstellungen und diese prägend, sich wenig an tradierte oder transzendentale Prinzipien gebunden sieht. Möglicherweise ist der somit in manchen Umfragen festgestellte Tech-Optimismus in China auch das Produkt eines sehr pessimistischen Menschenbildes.