Die Befragungsmethodologie, die sich in den letzten Jahrzehnten ständig weiterentwickelte und differenzierte Methodenvarianten hervorbrachte, hat die zentrale Informationsinstanz, das Gedächtnis, weitgehend unbeachtet gelassen. Auch die erarbeiteten Qualitätssicherungsstandards der einzelnen Verfahren marginalisieren die Gedächtnis- und Erinnerungsleistung. Der vorliegende Beitrag versucht in einem ersten Ansatz, das Gedächtnis in seiner Arbeitsweise bei Befragungen, insbesondere den Antwortwahlen, zu thematisieren und für endogen ablaufende Effekte auf das Antwortverhalten zu sensibilisieren sowie gängige gedächtnisbezogene Selbstverständlichkeiten im Antwortprozess zu hinterfragen. Die Einflüsse auf die Erinnerungsleistung zeigen ein breites, wenngleich wenig reflektiertes Forschungsfeld, um mögliche gedächtnisbezogene „Fehler“ (Reaktionen) aufzuspüren. Eine neurokognitiv orientierte Perspektivenerweiterung der Befragungsmethodologie kann zur weiteren Klärung methodischer Artefakte beitragen, ohne in einen neurobiologischen Determinismus zu verfallen.

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Das befragte Gedächtnis

  • Reinhard Bachleitner,
  • Michael Häder

摘要

Die Befragungsmethodologie, die sich in den letzten Jahrzehnten ständig weiterentwickelte und differenzierte Methodenvarianten hervorbrachte, hat die zentrale Informationsinstanz, das Gedächtnis, weitgehend unbeachtet gelassen. Auch die erarbeiteten Qualitätssicherungsstandards der einzelnen Verfahren marginalisieren die Gedächtnis- und Erinnerungsleistung. Der vorliegende Beitrag versucht in einem ersten Ansatz, das Gedächtnis in seiner Arbeitsweise bei Befragungen, insbesondere den Antwortwahlen, zu thematisieren und für endogen ablaufende Effekte auf das Antwortverhalten zu sensibilisieren sowie gängige gedächtnisbezogene Selbstverständlichkeiten im Antwortprozess zu hinterfragen. Die Einflüsse auf die Erinnerungsleistung zeigen ein breites, wenngleich wenig reflektiertes Forschungsfeld, um mögliche gedächtnisbezogene „Fehler“ (Reaktionen) aufzuspüren. Eine neurokognitiv orientierte Perspektivenerweiterung der Befragungsmethodologie kann zur weiteren Klärung methodischer Artefakte beitragen, ohne in einen neurobiologischen Determinismus zu verfallen.