Transformation – eine historische Einordnung des Transformationsdiskurses am Beispiel Ostdeutschlands
摘要
Der folgende Beitrag konzentriert sich auf die historische Einordnung von Transformation seit 1989/90 mit Fokus auf (Ost-)Deutschland, verweist jedoch auch auf transnationale Bezüge. In den 1990er Jahren setzte eine umfangreiche „empirische Begleitforschung“ zu den vielfältigen und komplexen Prozessen der Transformation Ostdeutschlands ein. Leitgedanke war eine „nachholende“ Modernisierung Ostdeutschlands durch Angleichung „des Ostens“ an „den Westen“. Eine zweite Perspektive verstand Transformation demgegenüber als ergebnisoffenen Prozess. Die angebotenen Periodisierungsvorschläge bleiben für die Forschung sowie für die Transformation selbst unbefriedigend. So wird für die Forschung eine dritte und letzte Phase für die Jahre 1997 bis 2000 genannt, in der die Forschungserträge der 1990er Jahre präsentiert wurden. Die Transformationsforschung schien an ein Ende geraten zu sein. Die Phase einer „Posttransformation“ lässt sich jedoch zeitlich nicht bestimmen. Die seit den 2010er Jahren verstärkt einsetzende zeithistorische Forschung, die mit Rückgriff auf die Analyse Karl Polanyis aus dem Jahr 1944 eine exakte Definition von Transformation lieferte, machte schließlich Polanyis Ansatz für die Transformation Ostdeutschlands und Osteuropas fruchtbar. Erkenntnisfördernd ist vor allem seine soziologisch-anthropologische Perspektive, die über die politisch-administrativen und ökonomischen Ebenen hinaus das Handeln der Subjekte einbezieht. Transformation wird damit zu einem Geschehen, das nicht „über die Menschen“ kommt, sondern von diesen gestaltet wird.