Schulische sexuelle Bildung ist ein vielschichtiges und mehrdeutiges normatives Konzept, das sowohl in Bezug auf seine gegenwärtige Praxis als auch seine mögliche Veränderung weltweit umstritten ist. Zum einen wird die Art und Weise, wie Themen der Sexualität und Reproduktion im schulischen Unterricht bislang thematisiert werden, als unzureichend betrachtet. In Äthiopien beispielsweise basiert sexuelle Bildung in Schulen bislang auf einem biomedizinischen Ansatz im Biologieunterricht, der sich im Wesentlichen auf die Lehre über reproduktive Organe und körperliche Veränderungen während der Pubertät beschränkt. Zum anderen löst die Übersetzung von umfassenden Ansätzen wie CSE weltweit Widerstände aus, die auf verschiedene Gründe zurückgehen – von der Forderung gerechter Partizipationsmöglichkeiten von Akteur:innen aus Ländern des globalen Südens an Rahmenwerken und deren Umsetzung bis hin zu zunehmender Opposition aus antifeministischer, regressiver Perspektive. Akteur:innen, die sich mit sexueller Bildung auseinandersetzen, müssen verschiedene (transnationale) Hierarchien und Abhängigkeiten in ihre Handlungen einbeziehen. Ihre Handlungsspielräume werden immer durch diese sozialen Beziehungen beeinflusst und Übersetzungsprozesse finden in diesen sozialen Gefügen statt bzw. bringen diese hervor. Eine figurative Analyse dieser Prozesse kann diese Dynamiken aufzeigen, da durch sie explizit der Wandel von Machtbalancen in den Blick genommen wird.

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Übersetzungen als relationale Prozesse verstehen

  • Sara Kolah Ghoutschi

摘要

Schulische sexuelle Bildung ist ein vielschichtiges und mehrdeutiges normatives Konzept, das sowohl in Bezug auf seine gegenwärtige Praxis als auch seine mögliche Veränderung weltweit umstritten ist. Zum einen wird die Art und Weise, wie Themen der Sexualität und Reproduktion im schulischen Unterricht bislang thematisiert werden, als unzureichend betrachtet. In Äthiopien beispielsweise basiert sexuelle Bildung in Schulen bislang auf einem biomedizinischen Ansatz im Biologieunterricht, der sich im Wesentlichen auf die Lehre über reproduktive Organe und körperliche Veränderungen während der Pubertät beschränkt. Zum anderen löst die Übersetzung von umfassenden Ansätzen wie CSE weltweit Widerstände aus, die auf verschiedene Gründe zurückgehen – von der Forderung gerechter Partizipationsmöglichkeiten von Akteur:innen aus Ländern des globalen Südens an Rahmenwerken und deren Umsetzung bis hin zu zunehmender Opposition aus antifeministischer, regressiver Perspektive. Akteur:innen, die sich mit sexueller Bildung auseinandersetzen, müssen verschiedene (transnationale) Hierarchien und Abhängigkeiten in ihre Handlungen einbeziehen. Ihre Handlungsspielräume werden immer durch diese sozialen Beziehungen beeinflusst und Übersetzungsprozesse finden in diesen sozialen Gefügen statt bzw. bringen diese hervor. Eine figurative Analyse dieser Prozesse kann diese Dynamiken aufzeigen, da durch sie explizit der Wandel von Machtbalancen in den Blick genommen wird.