Als Krisenwissenschaft interessiert sich die Soziologie seit jeher für alles, was soziale Ordnung stabilisiert oder gefährdet. Die Empörung kommt grundsätzlich für beides infrage, indem sie einerseits als performativer Akt Affektgemeinschaften hervorbringt und Normalitätserwartungen aktualisiert. Andererseits ist ihr aber auch die Streitnähe der Moral inhärent, die eine innergesellschaftliche Segmentierung in sich wenig versöhnlich gegenüberstehende moralische Kollektive befördert. Das Verhältnis von Krise und Empörung wird in diesem Beitrag über eine Konzeption der Empörung als affektzentrierter moralischer Kommunikation beleuchtet, indem das moralische Fundament sowie die Form und Funktion der Empörung skizziert werden. Um schließlich das Potenzial der Empörung als Krisenindikator zu eruieren, gilt die zeitdiagnostische Rahmung einer Engführung von drei Thesen, die die neue Sichtbarkeit der Empörung als Zeichen (1) einer neoliberalen Empörungsbewirtschaftung, (2) einer Erosion des Vertrauens oder aber (3) einer technologisch getriebenen Repräsentationskrise verorten. Dabei wird erkennbar, dass die Erzählung der sozialen Erosion als Ursache der Empörung und Krisensymptom kaum haltbar ist und dass die neue Sichtbarkeit der Empörung einem kontingenten Zusammenspiel von technologisch erreichbaren Affektgemeinschaften, ihrem partiellen Entfaltungspotenzial sowie der damit einhergehenden Aufmerksamkeitsbewirtschaftung über die Instrumentalisierung von Laienrollen geschuldet ist.

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Krise, Affekt und Repräsentation: Empörung als Medium moralischer Ordnung

  • Stefan Joller

摘要

Als Krisenwissenschaft interessiert sich die Soziologie seit jeher für alles, was soziale Ordnung stabilisiert oder gefährdet. Die Empörung kommt grundsätzlich für beides infrage, indem sie einerseits als performativer Akt Affektgemeinschaften hervorbringt und Normalitätserwartungen aktualisiert. Andererseits ist ihr aber auch die Streitnähe der Moral inhärent, die eine innergesellschaftliche Segmentierung in sich wenig versöhnlich gegenüberstehende moralische Kollektive befördert. Das Verhältnis von Krise und Empörung wird in diesem Beitrag über eine Konzeption der Empörung als affektzentrierter moralischer Kommunikation beleuchtet, indem das moralische Fundament sowie die Form und Funktion der Empörung skizziert werden. Um schließlich das Potenzial der Empörung als Krisenindikator zu eruieren, gilt die zeitdiagnostische Rahmung einer Engführung von drei Thesen, die die neue Sichtbarkeit der Empörung als Zeichen (1) einer neoliberalen Empörungsbewirtschaftung, (2) einer Erosion des Vertrauens oder aber (3) einer technologisch getriebenen Repräsentationskrise verorten. Dabei wird erkennbar, dass die Erzählung der sozialen Erosion als Ursache der Empörung und Krisensymptom kaum haltbar ist und dass die neue Sichtbarkeit der Empörung einem kontingenten Zusammenspiel von technologisch erreichbaren Affektgemeinschaften, ihrem partiellen Entfaltungspotenzial sowie der damit einhergehenden Aufmerksamkeitsbewirtschaftung über die Instrumentalisierung von Laienrollen geschuldet ist.