Ich tue, also bin ich? Facetten und Auswirkungen von Agilität auf öffentliche Organisationen
摘要
Agilität ist ein unscharfer Begriff, unter dem eine Vielzahl von Methoden und Strukturen zusammengefasst werden. Das Besondere an Agilität als Managementmode ist, dass sie sich nicht nur auf Methoden, sondern auch auf Haltungsfragen, das sogenannte agile Mindset, bezieht. Im Agilitätsdiskurs wird damit das Versprechen verbunden, Verwaltungsorganisationen durch den Abbau von Hierarchien und die Verschlankung von Bürokratie flexibler und anpassungsfähiger zu machen und damit an die sogenannte VUCA-Welt anzupassen. In der Forschung ist jedoch wenig darüber bekannt, wie sich diese unterschiedlichen Ausprägungen von Agilität auf die Kernelemente der Verwaltungsorganisation auswirken. An dieser Forschungslücke setzt der vorliegende Beitrag an. Mithilfe einer qualitativen Mehrebenen-Fallstudie im deutschen öffentlichen Sektor, die auf 31 teilstrukturierten Interviews, einer teilstandardisierten Online-Befragung und einer Dokumentenanalyse basiert, untersuchen wir diese Auswirkungen. Unsere Analyse zeigt, dass Agilität sehr selektiv und nur in Ausnahmefällen ganzheitlich auf Basis agiler Frameworks umgesetzt wird. Interessant ist, dass im Gegensatz zu den beschriebenen Zielbildern in der Kernverwaltung kein systematischer Abbau von Hierarchien oder Bürokratie zu beobachten ist. Vielmehr werden Regelwerke verändert, stark formalisierte Rollen, wie z. B. Scrum bzw. Agility Master, neu geschaffen oder agile Elemente als neue Schicht auf bestehende Prozesse gelegt. In der Konsequenz führt die Einführung von Agilität eher dazu, dass zusätzliche Regeln geschaffen werden und sich vermehrt informelle Strukturen ausbilden.