Jahrespanoramatik. Über ein intermediales Genre der Historiographie und seine Buchformen
摘要
Ziel des Beitrags ist es, den Phänomenkreis des ‚Jahrespanoramas‘ als lohnendes Untersuchungsfeld einer intermedialen Panoramatik zu umreißen und exemplarisch zu erkunden. Der Begriff vereint Medienpräsentationen aller Art, die ein titelgebendes Kalenderjahr möglichst umfassend darzustellen versprechen. Nach einem Blick auf das inzwischen historische Genre der Jahresdokumentationsschallplatten der späten 1950er- bis 1990er-Jahre und einem kursorischen Abgleich zu den aktuellen Kalenderjahres-Seiten in der Wikipedia richtet sich der Fokus schwerpunktmäßig auf die ‚Jahresbücher‘, wie sie seit 2012 vor allem auf dem deutschsprachigen Buchmarkt boomen. Ihre tabellarische Auflistung indiziert, dass sie sich zunehmend als Gattung konstituieren und teils standardisieren, daneben aber weiterhin eine bunte Vielfalt an Perspektiven, Dispositionen und Sonderformen zulassen. Abschließend werden drei paradigmatische Werke näher betrachtet: zum einen Florian Illies’ 1913 (2012) als genrebildender Bestseller und neuere Gattungsnorm sowie zum anderen Gertrude Cepl-Kaufmanns 1919 (2018) und Hans Ulrich Gumbrechts 1926 (1997/2001) als formal ambitioniertere, gleichwohl charakteristisch differierende Versuche, die Buchform wie ein Panorama zu bespielen.