In diesem Beitrag steht Napoléon (F 1927) von Abel Gance als Impulsgeber jeweils am Anfang eines Teilkapitels, und seine drei panoramatischen Besonderheiten werden nacheinander thematisiert: der Wechsel des Formats im Film und das varioskopische Kino („Die Elastizität des Rahmens“), die Synthese mehrerer Bilder zum Panorama und die Bedeutung der Verbindungsdisparität („Die Nähte der Breitwand“), das kompositorische Zusammenspiel der Bildteile im Multi-Screen und CinemaScope („Schnittkanten der Breitwand“). Neben Modellen aus der Filmtheorie werden auch solche aus der Malerei und Kunstgeschichte genutzt, um sie für die Erklärung der filmischen Dispositive fruchtbar zu machen: der Rahmen, das Reißverschluss-Modell der Bildnaht und die Formen des Triptychons. Die drei thematischen Fäden werden anhand exemplarischer Fälle in den Traditionen der Einzelprojektion (Henri Chrétien) und Mehrfachprojektion (Abel Gance) verfolgt. Dabei konzentriert sich der Beitrag auf die historischen Schwerpunkte in den 1920er- und 1950-60er-Jahren, zeigt aber auch in Ausblicken Weiterentwicklungen auf. Ziel der Untersuchung ist es, die filmspezifischen Phänomene im Vergleich zur Malerei zu beleuchten, um bildtheoretische und bildkompositorische Fragen zu erörtern. Der Schluss („Lose Fäden der Filmgeschichte“) führt Ergebnisse zu zwei Themenbereichen zusammen: dem poetischen Potenzial der Übersteigerung von Bildgrenzen und seiner künstlerischen Bedeutung für die Entwicklung des Kinos.

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Die offenen Nähte des Breitwandkinos. Drei Längsschnitte: Varioskopie, Disparität, Mehrfachbild

  • Roman Mauer,
  • Roman Paul Widera

摘要

In diesem Beitrag steht Napoléon (F 1927) von Abel Gance als Impulsgeber jeweils am Anfang eines Teilkapitels, und seine drei panoramatischen Besonderheiten werden nacheinander thematisiert: der Wechsel des Formats im Film und das varioskopische Kino („Die Elastizität des Rahmens“), die Synthese mehrerer Bilder zum Panorama und die Bedeutung der Verbindungsdisparität („Die Nähte der Breitwand“), das kompositorische Zusammenspiel der Bildteile im Multi-Screen und CinemaScope („Schnittkanten der Breitwand“). Neben Modellen aus der Filmtheorie werden auch solche aus der Malerei und Kunstgeschichte genutzt, um sie für die Erklärung der filmischen Dispositive fruchtbar zu machen: der Rahmen, das Reißverschluss-Modell der Bildnaht und die Formen des Triptychons. Die drei thematischen Fäden werden anhand exemplarischer Fälle in den Traditionen der Einzelprojektion (Henri Chrétien) und Mehrfachprojektion (Abel Gance) verfolgt. Dabei konzentriert sich der Beitrag auf die historischen Schwerpunkte in den 1920er- und 1950-60er-Jahren, zeigt aber auch in Ausblicken Weiterentwicklungen auf. Ziel der Untersuchung ist es, die filmspezifischen Phänomene im Vergleich zur Malerei zu beleuchten, um bildtheoretische und bildkompositorische Fragen zu erörtern. Der Schluss („Lose Fäden der Filmgeschichte“) führt Ergebnisse zu zwei Themenbereichen zusammen: dem poetischen Potenzial der Übersteigerung von Bildgrenzen und seiner künstlerischen Bedeutung für die Entwicklung des Kinos.