Sehen auf alle Weisen. Panorama, Überwachungskultur und zeitgenössische Kunst
摘要
Im Zuge der digitalen Revolution haben sich Panoramaansichten in den visuellen Medien massiv verbreitet. So lassen Applikationen, Softwareanwendungen und Kameratechnologien wie Google Street View, Photosynth, QuickTime Panorama, Bullet-Time, Drohnenkameras und Oculus Rift den Anspruch des Panoramas des 19. Jahrhunderts auf Allansicht und totale visuelle Kontrolle wieder aufleben. Seit jeher wurde das Panorama mit dem Panoptikum in Verbindung gebracht und somit ein Zusammenhang von uneingeschränkter Sichtbarkeit und Überwachung hergestellt. Heutige Überwachungssysteme werden jedoch als post-panoptisch beschrieben, da die zentrale Überwachungsarchitektur des Panoptikums weitgehend durch mobile, fragmentarische und automatisierte „Überwachungsassemblagen“ (Haggery und Ericson) abgelöst wurde. Ziel des Aufsatzes ist es, zu zeigen, dass computerbasierte Panoramen Teil dieser neuen heterogenen, vernetzten Assemblage sind, wobei sie gleichzeitig die Erfahrung totaler Immersion und Sichtbarkeit des Panoramas und des Panoptikums simulieren. Anhand von Werken von Mario Santamaria, Jules Spinatsch, Michiel van Bakel und Hito Steyerl sollen darüber hinaus künstlerische Positionen vorgestellt werden, die auf panoramatische und panoptische Verfahren zurückgreifen, um Mechanismen und Widersprüche in der heutigen Überwachungskultur offenzulegen und kritisch zu reflektieren.