Vom Wandern der Blicke. Das Panoramatische als Blickkonzept in Chris Wares Comic Building Stories
摘要
Das Blickkonzept von Panoramen ist charakterisiert durch die Dynamisierung von Blickrelationen und äußert sich im wandernden Blick der Betrachtenden. Einen eben solchen wandernden Blick legt Chris Ware in einem spezifischen Layouttyp seines experimentellen Comics Building Stories (2012) zugrunde. Der Comic besteht aus 14 Publikationsformaten in einem Stülpdeckelkarton, darunter mehrere Heftformate, ein gefaltetes Spielbrett, mehrere Hardcover, Zeitungen, Faltblätter und Leporellos, und zeichnet sich durch den vielfältigen Einsatz visuell-taktiler Mechanismen aus. Eine wiederkehrende Seitengestaltung stellt ein Layout mit mittigem Motiv und lose darum gruppierten Panelarrangements dar. Diesen Seitengestaltungen ist gemein, dass sich zwar die Anlage aus zentralem Motiv und Panels strukturell wiederholt, die lesend Betrachtenden müssen sich jedoch bei jeder Darstellung immer wieder neu Abfolgen und Zusammenhänge erschließen und in den unterschiedlichen Größenrelationen zueinander in Bezug setzen. Anhand einer strukturellen Gegenüberstellung der Blickrelationen von Panorama und Comic sowie drei Fallbeispielen wird das Panoramatische als Blickkonzept in Building Stories analysiert. Zudem werden die bildtheoretischen Wirkweisen der gleichzeitigen Simultanität und Sukzession in der Erschließung dieses Seitenlayouts und die darin liegenden Implikationen für die Comic-Rezeption herausgestellt.