Living in the Bubble. Zur Geopolitik der 360°-Filmform
摘要
Was uns von den VR 360°-Videotechnologien und ihren panoramic visions versprochen wird, ist eine freie, rahmenlose Erkundung der Welt: Choose your own frame, in a world of potential frames. Es geht buchstäblich um das (Welt-)Ganze: um eine Userin, die sich als Augenzeugin im Weltmittelpunkt er-fahren und trotzdem alle anderen Ichs dieser Welt sein kann – eine Fliege an der Wand, ein Migrant im Boot, John Malkovich beim Zähneputzen. Die ideologiekritische Inspektion dieses Techno-Phantasmas ist der Einsatzpunkt des Buchbeitrags, der sich mit den gegenwärtig zirkulierenden, zum Teil gar nicht so neuen Phantasmen einer totalen Archivierbarkeit und kohärenten Erfahrbarkeit der Welt (als vernähte Bubble) beschäftigt. Hierbei wird vor allem eine Problematisierung des Zentrums – dieser région centrale – unternommen. Das von der Bubble-Vision in Aussicht gestellte De-Framing der Erfahrung bedeutet de facto eine vollkommene Verkapselung der VR-Besucherin in einem „fensterlosen Hause“ (Walter Benjamin), wobei die Besucherin in der Mitte des Bildraums sich keineswegs ‚zu Hause‘, sondern als abwesende Anwesenheit erfährt: als allsehendes, aber unsichtbares Gespenst inmitten des Geschehens. Welche Zuschauer*innen-Subjekte werden im VR-Mainstream geschaffen und welche experimentellen Gegenbeispiele lassen sich finden, die Störungen – Risse in der Bubble – nicht kaschieren, sondern produktiv wenden und als Mittel der Reflexion einsetzen?