Die Gefährdung von Strukturprinzipien des Arbeitsalltags durch die mittlerweile routinisierten Strukturmomente der Straßenblockade
摘要
Der Kampf gegen die Luftverschmutzung in Südafrika, Widerstände von Kleinbauern in Kolumbien, Proteste von Studierenden auf den pazifischen Inseln, der Einspruch gegen Ölpipelines in Uganda oder dezentrale Proteste in Deutschland machen die Aktualität sowie die räumliche Dimension der Klimabewegung deutlich. Neben den großen, global wirkenden NGOs wie World Wildlife Fund oder Amnesty International bilden sich immer mehr nationale, aber auch international agierende Bündnisse. Ob Knitting nannas against gas in Australien, End fossil in Spanien, South Durban Community Environmental Alliance (SDCEA) in Südafrika oder Die letzte Generation, welche in Deutschland und Österreich aktiv ist; all diese Bündnisse haben eines gemeinsam: Die Ablehnung des umwelt- und klimaschädlichen Schaffens von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Form von Protesten, Streiks und Blockaden. Die Letzte Generation verfolgt durch Mittel des zivilen Ungehorsams das Ziel, die deutsche und österreichische Bundesregierung, zu drastischeren Maßnahmen gegen die aktuelle Klimakrise zu zwingen. Die von der österreichischen Journalistin und Fernsehmoderatorin Lisa Gadenstätter im Jahre 2023 gestaltete ORF-Dokumentation „Die Klimakleber“ versucht die Welt von Klima-Aktivist:innen genauer zu beleuchten. Es wurden fest entschlossene, alle Konsequenzen in Kauf nehmende und stark polarisierende Mitglieder der Letzten Generation in Hinblick auf deren Motivation, Konfliktbereitschaft, Durchhaltevermögen und Organisation interviewt. Das zwingende Vorgehen von Mitgliedern des binationalen Bündnisses, durch friedliche, aber drastische Maßnahmen wie die Selbstfixierung auf öffentlichen Verkehrswegen mit Klebstoff, sorgt für Aufmerksamkeit und schürt Irritation und Unmut im gesellschaftlichen Lebensalltag. Neue Öl- und Gasprojekte zu verhindern oder ein Tempolimit von 100 km/h auf deutschen und österreichischen Autobahnen einzuführen, führt zu hohem Konfliktpotenzial zwischen der Zivilgesellschaft und der Staatsmacht. Dieser Konflikt zwingt wiederum Aktivist:innen dazu, mittels klar definierter Mitgliedschaften, Pressesprecher:innen und der Durchführung von Übungseinheiten zum Umgang mit Passant:innen und Bediensteten der Exekutive, die Organisation Letzte Generation zu strukturieren und damit gewissermaßen eine (Schein-)Transformation von einer Protestbewegung hin zu einer Bürgerinitiative zu vollziehen.