Vor dem Hintergrund verschiedener Möglichkeiten, Sozial- oder Gesellschaftskritik zu begründen, wird im vorliegenden Kapitel eine Variante entwickelt, Sozial- oder Gesellschaftskritik anhand des Kriteriums psychischen Leidens ethisch zu fundieren. Ein solches Kritikmodell setzt zweierlei voraus. Zum einen setzt ein solches Modell an klinisch relevantem oder subklinischen psychischen Leiden, das vermeidbar ist. Zum anderen muss das vermeidbare Leiden auf soziale Bedingungen und Dynamiken zurückgeführt werden können. Weitere Spezifizierungen eines solchen Maßstabs der Kritik werden im vorliegenden Kapitel im Hinblick auf dessen Status als (i) negativ-klinisch hergeleitet, dessen (ii) Liberalität sichernde Formalität, dessen (iii) paradoxaler normativer Individualismus sowie dessen (iv) prospektive Ergänzungsoffenheit formuliert. Zudem wird der Begriff der sozialen Pathologie diskutiert und im Hinblick auf eine Sozialphilosophie der Vermeidung sozial vermeidbaren Leidens fruchtbar gemacht. Abschließend werden vor dem Hintergrund des formulierten Modells wünschbare psychosoziale Wandlungsprozesse skizziert.

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Sozial vermeidbares psychisches Leiden als Kriterium für Gesellschaftskritik

  • Simon Heyny

摘要

Vor dem Hintergrund verschiedener Möglichkeiten, Sozial- oder Gesellschaftskritik zu begründen, wird im vorliegenden Kapitel eine Variante entwickelt, Sozial- oder Gesellschaftskritik anhand des Kriteriums psychischen Leidens ethisch zu fundieren. Ein solches Kritikmodell setzt zweierlei voraus. Zum einen setzt ein solches Modell an klinisch relevantem oder subklinischen psychischen Leiden, das vermeidbar ist. Zum anderen muss das vermeidbare Leiden auf soziale Bedingungen und Dynamiken zurückgeführt werden können. Weitere Spezifizierungen eines solchen Maßstabs der Kritik werden im vorliegenden Kapitel im Hinblick auf dessen Status als (i) negativ-klinisch hergeleitet, dessen (ii) Liberalität sichernde Formalität, dessen (iii) paradoxaler normativer Individualismus sowie dessen (iv) prospektive Ergänzungsoffenheit formuliert. Zudem wird der Begriff der sozialen Pathologie diskutiert und im Hinblick auf eine Sozialphilosophie der Vermeidung sozial vermeidbaren Leidens fruchtbar gemacht. Abschließend werden vor dem Hintergrund des formulierten Modells wünschbare psychosoziale Wandlungsprozesse skizziert.