Verkomplizierung und Veranschaulichung: Psyche in der Migrationsgesellschaft
摘要
Das Verhältnis von Psychischem und Sozialem zu analysieren, ohne dabei auf migrationsspezifische Dynamiken abzuheben, war bis vor kurzem gängig. Demgegenüber wird die übergreifende Frage nach einer psychosozialen Ätiologie psychischen Leidens im vorliegenden Kapitel im Hinblick auf das Leiden von Migrant:innen und ihrer Kinder ausgeweitet. Dazu wird zunächst eine Synthese der (in der Regel methodisch durch die Psychoanalyse informierten) empirischen Forschungsergebnisse zu den psychosozialen Anforderungen und Folgen von Migration vorgenommen. Migration ist mit verschiedenen psychosozialen Anforderungen, mit emotionalen Belastungen ebenso wie Potenzialen verbunden, die sich vor dem Hintergrund mehr oder weniger gesättigter empirischer Forschung zusammenfassen lassen. In einem zweiten Schritt werden mit Migration verbundene Lebensgeschichten vor dem Hintergrund der grundlagentheoretischen Annahmen aus Kapitel sechs veranschaulicht. Der Schwerpunkt liegt hier auf den mit intergenerationalen Dynamiken verflochtenen psychischen Prozessen. Daraufhin wird das Phänomen (der Persistenz von) Rassismus, das sich als ein prinzipiell historisch veränderbares, aber auch komplexes Phänomen darstellt und das die psychosozialen Folgen von Migrationsprozessen mitunter entscheidend bedingt, näher beleuchtet. Hierbei kann exemplarisch verdeutlicht werden, worin eine integrative psychoanalytisch-sozialpsychologische Perspektive bestehen kann. Abschließend werden die förderlichen/hinderlichen Bedingungen der Verarbeitung von Migrationsprozessen zusammengefasst.