Im vorliegenden Kapitel wird zunächst das Ziel verfolgt, Lorenzers Verständnis psychopathologischer Prozesse näher zu beleuchten und an der einen oder anderen Stelle zu aktualisieren. Nach einer allgemeinen Vorbemerkung zum Krankheitsbegriffs werden dazu die von Lorenzer systematisierten Formen psychischer Störungen im Hinblick auf die (mikro-)sozialen resp. intergenerationalen Bedingungen und pathogenen Psychodynamiken untersucht. Von dieser ‚negativen‘ Ebene aus werden in einem nächsten Schritt auf allgemeinerer und ‚positiver‘ Ebene Begriffe zur Charakterisierung gelingender psychischer Strukturbildung rekonstruiert und im Rahmen eines dynamischen Stufenmodells im Sinne einer Dialektik von Sinnlichkeit und Rationalität verortet. Zum Abschluss dieses Kapitels wird erneut die Kehrseite gelingender psychischer Strukturbildung am Begriff des Leidens zum Thema gemacht und werden unterschiedliche Formen psychischen Leidens konzeptualisiert. In diesem für die Systematik der vorliegenden Arbeit zentralen Unterkapitel wird auf der Grundlage der Theorie der Interaktionsformen eine psychoanalytische Konfliktanthropologie rekonstruiert und auf diese Weise konzeptuell und mit Blick auf methodologische Aspekte diejenigen Leidensformen herausgearbeitet, die sich unter der Bedingung des Nachweises einer sozialen Ätiologie (Teil II) für Sozialkritik (Teil III) anbieten: vermeidbares soziales, klinisch relevantes oder subklinisches Leiden.

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Ein dynamisches Stufenmodell: Psychisches Leiden und die Dialektik von Sinnlichkeit und Rationalität

  • Simon Heyny

摘要

Im vorliegenden Kapitel wird zunächst das Ziel verfolgt, Lorenzers Verständnis psychopathologischer Prozesse näher zu beleuchten und an der einen oder anderen Stelle zu aktualisieren. Nach einer allgemeinen Vorbemerkung zum Krankheitsbegriffs werden dazu die von Lorenzer systematisierten Formen psychischer Störungen im Hinblick auf die (mikro-)sozialen resp. intergenerationalen Bedingungen und pathogenen Psychodynamiken untersucht. Von dieser ‚negativen‘ Ebene aus werden in einem nächsten Schritt auf allgemeinerer und ‚positiver‘ Ebene Begriffe zur Charakterisierung gelingender psychischer Strukturbildung rekonstruiert und im Rahmen eines dynamischen Stufenmodells im Sinne einer Dialektik von Sinnlichkeit und Rationalität verortet. Zum Abschluss dieses Kapitels wird erneut die Kehrseite gelingender psychischer Strukturbildung am Begriff des Leidens zum Thema gemacht und werden unterschiedliche Formen psychischen Leidens konzeptualisiert. In diesem für die Systematik der vorliegenden Arbeit zentralen Unterkapitel wird auf der Grundlage der Theorie der Interaktionsformen eine psychoanalytische Konfliktanthropologie rekonstruiert und auf diese Weise konzeptuell und mit Blick auf methodologische Aspekte diejenigen Leidensformen herausgearbeitet, die sich unter der Bedingung des Nachweises einer sozialen Ätiologie (Teil II) für Sozialkritik (Teil III) anbieten: vermeidbares soziales, klinisch relevantes oder subklinisches Leiden.