Zwischen Misstrauen und der Hoffnung auf Anerkennung: Wechselwirkungen in den Beziehungen von Staat, Gesellschaft und Muslim:innen
摘要
Ausgangspunkt des Projekts WECHSELWIRKUNGEN („Wechselwirkungen islamistischer Radikalisierung im gesellschaftlichen und politischen Kontext betrachtet“) war die Überzeugung, dass Radikalisierung und Radikalität aus einem komplexen Geflecht miteinander interagierender und einander beeinflussender und formender Kräfte entsteht. Kurz, aus wechselwirkenden prozessualen Beziehungen, die das komplexe und dynamische Gefüge „Gesellschaft“ hervorbringen aus Formen des Für-, Mit-, Neben- und Gegeneinanders (Simmel). Um systematisch vor allem auf eine Seite von Prozessen der Radikalisierung gerichtete Fragestellungen zu überwinden, haben wir konsequent eine Perspektive gewählt, welche zunächst die muslimische Seite ins Zentrum rückt: Welche Effekte haben gesetzgeberische Maßnahmen oder behördliches Handeln im sogenannten „Anti-Terrorkampf“ auf Grund- und Menschenrechte? Wie wirken sich mediale Diskurse und gesellschaftliche Diskriminierung auf Einstellungen von Muslim:innen aus? Wie sehen Muslim:innen staatliches Handeln und politische Diskurse im Feld, z. B. beim Islamischen Religionsunterricht? Wie bewältigen sie in städtischen Lebenswelten Konfrontationen mit „Islamkritiker:innen“? Wie verhandeln sie untereinander – in Facebook-Gruppen oder in rituellen Predigten – Formen (frommen) islamischen Lebens in Deutschland? Unser Ziel war, mögliche Quellen für den meist diffusen Nährboden für Radikalisierung unter Muslim:innen zu identifizieren und zugleich nach Faktoren muslimischer Resilienz gegen Radikalisierung zu suchen. Im Ergebnis zeigt sich diese Resilienz robust, zusammen mit der hohen Bereitschaft, sich gesellschaftlich zu engagieren, und der Sehnsucht nach Akzeptanz und Wertschätzung..