Kein Mensch wacht morgens auf und ist plötzlich radikal. Warum radikalisieren sich Menschen?
摘要
Rechtsextremistische und islamistische Radikalisierung ist kein unabwendbarer Prozess. Sie vollzieht sich in Einstellungen, Sprache und Handeln mit und ohne Gewalt und kann als wechselseitige Radikalisierungsspirale interpretiert werden. Menschen radikalisieren sich als Mitglieder politischer und religiöser Gruppen im wechselseitigen Bezug aufeinander (Co-Radikalisierung), oft ohne bewusste Provokationsabsicht. Auslöser sind Ängste vor islamistischer Gewalt bzw. vor Diskriminierung und das Gefühl des Kontrollverlusts. Häufig folgt ein Rückzug in die eigene Community, deren Narrative Rückhalt gewähren und die eigene Bedeutung sowie die der jeweiligen Gruppe aufbauen. Feindbilder, v. a. gegenüber jüdischen Menschen, fundamentalistische bzw. chauvinistisch-nationalistische Einstellungen unterstützen dieses Gefühl. Es zeigt sich zudem, dass die Radikalisierungsprozesse stets einen Weg über eine Ablehnung der freiheitlich demokratischen Grundordnung nehmen, wenn sie in eine Gewaltbereitschaft münden. Ein Grundstein für eine Internalisierung der freiheitlich demokratischen Grundordnung sollte an den Schulen gelegt werden. Die Lehr- und Lernsituation an Schulen führt jedoch oftmals nicht zu einer Entwicklung der Schüler:innen im Sinne einer demokratisch-pluralistischen Bildung. Wir unterbreiten Vorschläge, wie dieses Ziel erreicht werden kann und geben Hinweise auf die unterschiedliche Wirkung von Maßnahmen der Prävention und der Sozialarbeit. Demokratiestunden fördern z. B. die direkte Erfahrung mit Mehrheitsfindung und Themensetzung in der Demokratie und Sozialarbeit kann Jugendliche in verunsichernden Situationen auffangen, ohne ihnen Radikalität zu unterstellen.