Evidenzbasierte Ansätze zum verhaltensresponsiven Einsatzmanagement in Kriseninterventionskontexten: Eine integrierte Handlungsanleitung
摘要
In anderen Ländern hat sich durch Kriseninterventionstraining für Einsatzkräfte sowie dem Einsatz speziell ausgebildeter Kriseninterventionsteams bereits eine institutionelle Verpflichtung zum verbesserten Umgang der Polizei mit Menschen im psychischen Krisenzustand etabliert. Diese Maßnahmen statten Einsatzkräfte mit wertvollem Wissen und unverzichtbaren Fertigkeiten aus. Jedoch beschränken sich entsprechend vermittelte Ansätze zur Einsatzgestaltung grundsätzlich auf traditionelle Kriseninterventionsmethoden, wie sie im klinischen Kontext angewandt werden. Gleichzeitig befinden sich nicht alle Menschen, auf die die Polizei im Kontext einer diagnostizierten, vermuteten oder vorübergehenden psychischen Störung oder Verhaltensauffälligkeit trifft, im Krisenzustand. Psychische Störungen oder widrige Lebensumstände können auch Verhaltensweisen bedingen, die durch fehlangepasstes Verhalten selbst in Allostase (und nicht in Krise) zu Notrufen führen können (z. B. beschaffungskriminelles Verhalten Betäubungsmittelsüchtiger oder auto-stimulierendes Verhalten mit Autismus-Spektrum-Störung Diagnostizierter, wenn dies gegen soziale Normen verstößt). Entsprechend wird Krisenintervention allein der Vielschichtigkeit solcher Einsätze nicht gerecht. Unseres Wissens gibt es bislang keinen Ansatz, der evidenzbasierte Handlungsanweisungen für den Umgang mit psychischen Krisen wie auch mit subschwelligen Verhaltensweisen, die nicht Resultat eines Krisenzustandes sind, für Einsatzkräfte nutzbar und effektiv integriert. Deshalb erarbeiten wir in diesem Kapitel eine solche integrierte Handlungsanleitung, die Einsatzkräften theoriegeleitet evidenzbasierte Ansätze in Antwort auf beobachtbares Verhalten einfach anwendbar zur Verfügung stellt. Wir hoffen, damit nicht nur das Verlangen und Erfordernis deutscher Einsatzkräfte für eine besser Aus- und Fortbildung im Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen (vgl. z. B. Lorey & Fegert, 2021; oder Bock et al., 2015), sondern auch die generell ansteigende Belastung solcher Einsätze (Krahmer, 2019; Wittmann et al., 2020) anzusprechen.