Die #MeToo-Kampagne von 2017 löste eine weltweite Debatte über sexuelle Grenzverletzungen aus und markiert eine historische Zäsur im gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität. Während die Sexualitätsforschung von einer Enttraditionalisierung westlicher Sexualmoral spricht, zeigt die Debatte, dass dieser Wandel von Spannungen begleitet wird. Eine psychoanalytische Betrachtung beleuchtet dies am Beispiel einer Online-Petition gegen das Gemälde Thérèse rêvant (1938) von Balthus im Metropolitan Museum New York. Die kontroversen Reaktionen von Studierenden auf die Forderung nach Entfernung oder Kontextualisierung des Werks verdeutlichen moralische Konflikte rund um Zensur und deuten auf einen „allergischen Punkt“ (Adorno) aktueller Sexualmoral hin.

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„Allerdings habe ich das Bild nicht sexuell interpretiert.“ Psychoanalytische Perspektiven auf Sexualmoral im Kontext von #MeToo

  • Sonja Witte

摘要

Die #MeToo-Kampagne von 2017 löste eine weltweite Debatte über sexuelle Grenzverletzungen aus und markiert eine historische Zäsur im gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität. Während die Sexualitätsforschung von einer Enttraditionalisierung westlicher Sexualmoral spricht, zeigt die Debatte, dass dieser Wandel von Spannungen begleitet wird. Eine psychoanalytische Betrachtung beleuchtet dies am Beispiel einer Online-Petition gegen das Gemälde Thérèse rêvant (1938) von Balthus im Metropolitan Museum New York. Die kontroversen Reaktionen von Studierenden auf die Forderung nach Entfernung oder Kontextualisierung des Werks verdeutlichen moralische Konflikte rund um Zensur und deuten auf einen „allergischen Punkt“ (Adorno) aktueller Sexualmoral hin.