Liebe, Werte, Partnerschaft: Der Verleumdungsprozess zwischen Amber Heard und Johnny Depp als Aushandlungsarena der Moral von Liebesbeziehungen
摘要
Im Zentrum dieses Artikels steht die soziologische Analyse der Verhandlung von Liebe, Partnerschaft und Moral. Angesichts einer zunehmenden Verunsicherung hinsichtlich der Kriterien und Bewertungsmaßstäbe für gelingende Beziehungen, u. a. durch den Wegfall traditioneller Institutionen, lässt sich ein erhöhter Austausch- und Aushandlungsbedarf darüber feststellen, wie Beziehungen gestaltet sein sollen. Wir fassen diesen Aushandlungsbedarf als „talk of love“ (Ann Swidler) und untersuchen ihn anhand der weltweiten, cross-medialen Diskussion des Verleumdungsprozesses zwischen den beiden Superstars J. Depp und A. Heard. Beide hatten sich nach der Scheidung wechselseitig der Verleumdung bezichtigt, und während des Prozesses wurden intime Details ihres Beziehungslebens gemeinsam mit der Frage verhandelt, wer Opfer, wer Täter häuslicher Gewalt geworden sei. Die den Prozess begleitende Auseinandersetzung fand in den sozialen Medien, den traditionellen Medien und den Sozialwissenschaften gleichermaßen statt und wird im Artikel vergleichend betrachtet. Empirisch zeichnet sich eine Kluft zwischen der Art, wie Qualitätsmedien und Wissenschaften den Fall einordnen und der Art, wie Nutzer*innen sozialer Medien den Fall bewerten, ab. Wir führen diese Diskrepanz auf unterschiedliche Relevanzhorizonte zurück: In den sozialen Medien stehen unmittelbar beziehungsbezogene Fragen gelingender Beziehungen im Mittelpunkt. Die Einordnung des Falles durch Qualitätsmedien und Wissenschaften interpretiert sieht den Ausgang des Prozesses vor dem Hintergrund gesellschaftlichen Fortschritts als backlash.