Ethische Fragen qualitativer Forschung mit Trauma-Überlebenden
摘要
Um gesellschaftliches oder staatliches Unrecht aufzuarbeiten und daraus für die Zukunft zu lernen, arbeiten Forscher/-innen mit Menschen, denen schweres Unrecht geschehen ist. Sie sehen Fallakten ein, führen Interviews, interpretieren Lebensläufe und Kontexte und analysieren Interaktionen der Betroffenen mit Personen aus ihrem persönlichen Umfeld, mit Autoritätspersonen oder Institutionen. Wenn der Blick betroffener Personen in die Vergangenheit gelenkt wird, kann dies zur Bewältigung des zugefügten Unrechts beitragen, aber auch zur erneuten Konfrontation mit negativen Erinnerungen und Gefühlen. Die etablierten Ethikkodizes und forschungsethischen Normen müssen zum Schutz der Trauma-Überlebenden ausdifferenziert werden: Es gilt, Belastungen und Schädigungen, die sich durch Erinnern und Erzählen ergeben können, zu antizipieren und im Nachgang Unterstützung zu gewährleisten; bei der Informierten Zustimmung sollte dem „therapeutischen Missverständnis“ explizit entgegengewirkt werden u. a. m. Der Beitrag zeigt auf, welchen ethischen Fragen eine „trauma-sensible“ Forschung gerecht werden muss.