Die Psychologie gliedert sich in verschiedene Unterdisziplinen – etwa die Allgemeine, Klinische oder Sozialpsychologie. Eine ihrer Disziplinen ist die Differentielle oder Persönlichkeitspsychologie, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Unterschiedlichkeit im Erleben und Verhalten von Menschen zu beschreiben. Darunter fällt auch die Identifikation, genaue Beschreibung und Modellbildung zu Persönlichkeitseigenschaften. Letztere können sowohl Leistungsmerkmale (z. B. Intelligenz; das maximale Verhalten), Temperaments- oder Persönlichkeitseigenschaften im engeren Sinne (z. B. Extraversion, emotionale Stabilität oder Psychotizismus; das typische Verhalten eines Menschen) als auch solche sein, die sowohl als Leistungs- als auch Temperamentseigenschaften verstanden werden können. Das könnten dann zum Beispiel Humor (sich selbst einen guten Sinn für Humor zuschreiben vs. die Quantität und Qualität der Humorproduktion) oder Kreativität sein (sich selbst als kreativ wahrnehmen vs. eine Produktion von hohem Nutzen und großer Neuartigkeit – vielleicht sogar Einzigartigkeit – herstellen können). Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden Charakterstärken und Tugendhaftigkeit als Temperamentseigenschaften gesehen, die über Zeit und Situationen hinweg relativ stabil sein sollen. In der Psychologie ist man häufig daran interessiert, Ordnungs- und Klassifikationssysteme zu entwickeln, um Merkmale besser zu beschreiben und voneinander abgrenzbar zu machen. Weithin verbreitet sind Klassifikationssysteme wie das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), das in der klinischen Praxis eingesetzt wird, um psychische Beeinträchtigungen zu diagnostizieren und zu beschreiben. Während die Psychologie in den letzten Dekaden viel Wissen über die negativen – und vielleicht sogar pathologischen – Ausprägungen der menschlichen Persönlichkeit gesammelt hat, fehlen als Gegenstück die positiven Ausprägungen.

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Tugend aus psychologischer Sicht

  • René T. Proyer,
  • Rebekka Sendatzki

摘要

Die Psychologie gliedert sich in verschiedene Unterdisziplinen – etwa die Allgemeine, Klinische oder Sozialpsychologie. Eine ihrer Disziplinen ist die Differentielle oder Persönlichkeitspsychologie, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Unterschiedlichkeit im Erleben und Verhalten von Menschen zu beschreiben. Darunter fällt auch die Identifikation, genaue Beschreibung und Modellbildung zu Persönlichkeitseigenschaften. Letztere können sowohl Leistungsmerkmale (z. B. Intelligenz; das maximale Verhalten), Temperaments- oder Persönlichkeitseigenschaften im engeren Sinne (z. B. Extraversion, emotionale Stabilität oder Psychotizismus; das typische Verhalten eines Menschen) als auch solche sein, die sowohl als Leistungs- als auch Temperamentseigenschaften verstanden werden können. Das könnten dann zum Beispiel Humor (sich selbst einen guten Sinn für Humor zuschreiben vs. die Quantität und Qualität der Humorproduktion) oder Kreativität sein (sich selbst als kreativ wahrnehmen vs. eine Produktion von hohem Nutzen und großer Neuartigkeit – vielleicht sogar Einzigartigkeit – herstellen können). Im Rahmen des vorliegenden Beitrags werden Charakterstärken und Tugendhaftigkeit als Temperamentseigenschaften gesehen, die über Zeit und Situationen hinweg relativ stabil sein sollen. In der Psychologie ist man häufig daran interessiert, Ordnungs- und Klassifikationssysteme zu entwickeln, um Merkmale besser zu beschreiben und voneinander abgrenzbar zu machen. Weithin verbreitet sind Klassifikationssysteme wie das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM), das in der klinischen Praxis eingesetzt wird, um psychische Beeinträchtigungen zu diagnostizieren und zu beschreiben. Während die Psychologie in den letzten Dekaden viel Wissen über die negativen – und vielleicht sogar pathologischen – Ausprägungen der menschlichen Persönlichkeit gesammelt hat, fehlen als Gegenstück die positiven Ausprägungen.