Toleranz aus ethischer Sicht
摘要
Von seinem lateinischen Etymon her bezeichnet „Toleranz“ die Praxis, das Anderssein anderer „hinzunehmen“, zu „ertragen“ bzw. zu „dulden“. Sie unterscheidet sich von verwandten Haltungen wie Zuneigung zu Personen und Wertschätzung von Einstellungen und Positionen, also durch ein (bleibendes) Moment des Dissenses. Zu einem festen Begriff und einer normativen Forderung an die Politik entwickelte sich „Toleranz“ im Kontext rivalisierender Überzeugungen und damit zusammenhängender Religionen, die in der Deutung von Dasein und Welt, in Frömmigkeit, Lebensformen und in Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Leben miteinander konkurrieren, also sich nicht bloß unterscheiden, sondern auch aufeinander Bezug nehmen, diesen Unterschieden Bedeutsamkeit zusprechen und sich infolgedessen voneinander abgrenzen (vgl. Hilpert 2001; Witschen 2016). Das strukturelle Problem, auf das Toleranz als normative politische Forderung eine Antwort weisen will, ist demzufolge ein dreifaches: