Perspektivwechsel heißt die Sicht anderer wahrnehmen. Das erfordert Empathie (Stueber 2019). Die Psychologie unterscheidet kognitive und affektive Empathie. Kognitive Empathie bedeutet zu verstehen, was der/die Andere denkt, fühlt, will. Dabei kann man Wissen über den Zusammenhang von psychischen Zuständen, Ereignissen und Handlungen mobilisieren (Perspektivenübernahme) oder sich in die Position des anderen versetzen und „sehen“, was man selbst in dessen Situation denken und fühlen würde (Simulationstheorie). Affektive Empathie bedeutet zu fühlen, was der/die Andere fühlt oder was seiner/ihrer Situation angemessen ist. Diesen beiden Konzepten entsprechen der kognitivistische und der gefühlsethische Ansatz der Moralforschung. Beide fokussieren auf Motive der Handelnden (und nicht wie der Situationsansatz auf Umstände), klammern (anders als der Behaviorismus) rein instrumentelle Motive aus und fundieren Normen in geteilten Interessen und Bedürfnissen. Würden Normen aus Vorgegebenem (z. B. Gottes Wort) abgeleitet, spielten Mitfühlen oder Perspektivenübernahme keine konstitutive Rolle.

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Der moralische Standpunkt aus psychologischer Sicht: Perspektivwechsel, Empathie und Unparteilichkeit

  • Gertrud Nunner-Winkler

摘要

Perspektivwechsel heißt die Sicht anderer wahrnehmen. Das erfordert Empathie (Stueber 2019). Die Psychologie unterscheidet kognitive und affektive Empathie. Kognitive Empathie bedeutet zu verstehen, was der/die Andere denkt, fühlt, will. Dabei kann man Wissen über den Zusammenhang von psychischen Zuständen, Ereignissen und Handlungen mobilisieren (Perspektivenübernahme) oder sich in die Position des anderen versetzen und „sehen“, was man selbst in dessen Situation denken und fühlen würde (Simulationstheorie). Affektive Empathie bedeutet zu fühlen, was der/die Andere fühlt oder was seiner/ihrer Situation angemessen ist. Diesen beiden Konzepten entsprechen der kognitivistische und der gefühlsethische Ansatz der Moralforschung. Beide fokussieren auf Motive der Handelnden (und nicht wie der Situationsansatz auf Umstände), klammern (anders als der Behaviorismus) rein instrumentelle Motive aus und fundieren Normen in geteilten Interessen und Bedürfnissen. Würden Normen aus Vorgegebenem (z. B. Gottes Wort) abgeleitet, spielten Mitfühlen oder Perspektivenübernahme keine konstitutive Rolle.