Mit der Beschreibung von Autonomie als Wesensmerkmal des Menschen ist in ethischer Hinsicht immer auch ein Sollensanspruch verbunden. Aus der grundlegenden Möglichkeit zur autonomen Lebensentfaltung entspringt der Sollensanspruch, dieser Möglichkeit auch gerecht zu werden. Dem Vorrang des „Sollens“ in der ethischen Tradition steht die Frage nach dem Können in der psychologischen Tradition gegenüber (Freud 1923; Kohlberg und Turiel 1978; Piaget 1986; Eisenberg 2010). Die Thematisierung von Autonomiefähigkeit aus psychologischer Sicht setzt begriffliche und philosophische Vorannahmen voraus, die in diesem Beitrag nicht umfassend geklärt werden können. Autonomie wird dabei im Sinne von Entscheidungs- und Handlungsautonomie als Fähigkeit verstanden, Entscheidungen zu treffen und entsprechende Handlungen umsetzen zu können. Sie umfasst aber als personale Autonomie auch die Befähigung zu einer den eigenen Wertüberzeugungen und dem subjektiven Sinnhorizont entsprechenden mittel- und längerfristigen Lebensführung (Betzler 2016).

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Autonomie aus psychologischer Sicht: Das Können des Sollens

  • Rupert Grill,
  • Julius Kuhl

摘要

Mit der Beschreibung von Autonomie als Wesensmerkmal des Menschen ist in ethischer Hinsicht immer auch ein Sollensanspruch verbunden. Aus der grundlegenden Möglichkeit zur autonomen Lebensentfaltung entspringt der Sollensanspruch, dieser Möglichkeit auch gerecht zu werden. Dem Vorrang des „Sollens“ in der ethischen Tradition steht die Frage nach dem Können in der psychologischen Tradition gegenüber (Freud 1923; Kohlberg und Turiel 1978; Piaget 1986; Eisenberg 2010). Die Thematisierung von Autonomiefähigkeit aus psychologischer Sicht setzt begriffliche und philosophische Vorannahmen voraus, die in diesem Beitrag nicht umfassend geklärt werden können. Autonomie wird dabei im Sinne von Entscheidungs- und Handlungsautonomie als Fähigkeit verstanden, Entscheidungen zu treffen und entsprechende Handlungen umsetzen zu können. Sie umfasst aber als personale Autonomie auch die Befähigung zu einer den eigenen Wertüberzeugungen und dem subjektiven Sinnhorizont entsprechenden mittel- und längerfristigen Lebensführung (Betzler 2016).