Das 12. Kapitel nimmt speziell die PraktikerInnen in den Blick. Zunächst befasst sich der Text mit der hohen psychischen Belastung der Berufsgruppe (im Vergleich zu anderen Berufen) und fragt im nächsten Abschnitt nach den Wahrnehmungen und Interpretationen der Betroffenen hinsichtlich der Ursachen ihrer Belastung. Die PraktikerInnen benennen an dieser Stelle die zunehmende Arbeitsverdichtung als die Hauptursache und erklären ihre Unzufriedenheit mit der ständigen Erfahrung, die Aufgaben nicht wirklich zu Ende lösen zu können und immer unter Zeitdruck zu stehen. Darüber hinaus werden als Ursachen für die hohe Belastung eine schwierige Kommunikation im Team oder auch mit dem Vorgesetzten angegeben. Ebenso nennen sie als Belastungsursachen unzureichende Möglichkeiten für Austausch und Reflexion, etwa im Rahmen von Besprechungen, Supervisions-Angeboten oder auch von Fortbildungsmöglichkeiten. Die WissenschaftlerInnen, die die erwähnten Untersuchungen durchgeführt haben, bestätigen die Interpretation der Betroffenen. Es gibt auch bei ihren Überlegungen nur sehr wenige Hinweise darauf, dass die Arbeitsverdichtung und die damit verbundene Belastung Folgen der neoliberalen Veränderungen und Transformationen sind. Tendenziell werden die Ursachen bei den SozialarbeiterInnen oder in ihrem direkten Arbeitsumfeld vermutet. Kritische PraktikerInnen und kritische WissenschaftlerInnen führen die beschriebenen Belastungen und Probleme mit der Arbeitssituation auf die neoliberalen Faktoren zurück: u.a. auf den chronischen Zeitdruck, die thematische Einengung oder den erzwungenen Verzicht auf die Bearbeitung der subjektiven Problemlagen der KlientInnen und die Berücksichtigung ihres Eigensinns. Wenn es um die Frage geht, wer dazu beitragen könnte, dass die Profession anfängt, sich offen gegen die Neoliberalisierung zu wehren, finden sich im Bereich der PraktikerInnen gegenwärtig wenig Anhaltspunkte.

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PraktikerInnen – Belastungen und Interpretation der Ursachen

  • Mechthild Seithe

摘要

Das 12. Kapitel nimmt speziell die PraktikerInnen in den Blick. Zunächst befasst sich der Text mit der hohen psychischen Belastung der Berufsgruppe (im Vergleich zu anderen Berufen) und fragt im nächsten Abschnitt nach den Wahrnehmungen und Interpretationen der Betroffenen hinsichtlich der Ursachen ihrer Belastung. Die PraktikerInnen benennen an dieser Stelle die zunehmende Arbeitsverdichtung als die Hauptursache und erklären ihre Unzufriedenheit mit der ständigen Erfahrung, die Aufgaben nicht wirklich zu Ende lösen zu können und immer unter Zeitdruck zu stehen. Darüber hinaus werden als Ursachen für die hohe Belastung eine schwierige Kommunikation im Team oder auch mit dem Vorgesetzten angegeben. Ebenso nennen sie als Belastungsursachen unzureichende Möglichkeiten für Austausch und Reflexion, etwa im Rahmen von Besprechungen, Supervisions-Angeboten oder auch von Fortbildungsmöglichkeiten. Die WissenschaftlerInnen, die die erwähnten Untersuchungen durchgeführt haben, bestätigen die Interpretation der Betroffenen. Es gibt auch bei ihren Überlegungen nur sehr wenige Hinweise darauf, dass die Arbeitsverdichtung und die damit verbundene Belastung Folgen der neoliberalen Veränderungen und Transformationen sind. Tendenziell werden die Ursachen bei den SozialarbeiterInnen oder in ihrem direkten Arbeitsumfeld vermutet. Kritische PraktikerInnen und kritische WissenschaftlerInnen führen die beschriebenen Belastungen und Probleme mit der Arbeitssituation auf die neoliberalen Faktoren zurück: u.a. auf den chronischen Zeitdruck, die thematische Einengung oder den erzwungenen Verzicht auf die Bearbeitung der subjektiven Problemlagen der KlientInnen und die Berücksichtigung ihres Eigensinns. Wenn es um die Frage geht, wer dazu beitragen könnte, dass die Profession anfängt, sich offen gegen die Neoliberalisierung zu wehren, finden sich im Bereich der PraktikerInnen gegenwärtig wenig Anhaltspunkte.