„Wir sind hier keine antifaschistischen Waschmaschinen“: Pädagogische Mitarbeiter:innen an Gedenkstätten als Akteur:innen im geschichtskulturellen Wandel in der Migrationsgesellschaft
摘要
Die Bedeutung von Vergangenem in der Gegenwart wird – gerade in einer pluralen und vielstimmigen Gesellschaft – stetigverhandelt. Wie vergangene Ereignisse die Gegenwart erklären, welche Zukunftsperspektiven sich daraus ableiten lassen, ob,wie und was sich aus Geschichte lernen lässt, darüber befindet sich die Gesellschaft (gerade in Zeiten wie diesen) in regem Austausch. Gedenkstätten an den Orten ehemaliger Konzentrationslager geraten dabei – gerade in Zeiten der Normalisierung rechter Diskurse und des Erstarkens einer extremen Rechten – zunehmend in den Fokus dieser Debatten. Angesichts diverser Herausforderungen für die plurale Demokratie werden Gedenkstättenbesuche als vermeintliche Lösungen herangezogen. Schüler*innen, rechte Akteur*innen aber auch neu Zugewanderte – so die unbestimmte Wirkungshoffnung – sollen in der Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen die „richtigen“ Schlüsse ziehen. Mitarbeiter*innen an Gedenkstätten sehen sich somit mit Erwartungen konfrontiert, die sie nicht bedienen können – geschweige denn wollen – und die gleichzeitig ihr pädagogisches Selbstverständnis durchaus prägen. Der Beitrag bringt auf Grundlage empirischen Materials Stimmen aus dem Gedenkstättenbereich ins Gespräch, skizziert Spannungsfelder und Widersprüche der Gedenkstättenarbeit und arbeitet heraus, welche Strategien pädagogische Mitarbeiter:innen entwickeln, um mit dieser Gemengelage umzugehen.