Nationale Narrative über (Nicht-)Zugehörigkeit in Deutschland: Zur Alltäglichkeit nationalen Denkens in pluralen Gesellschaften
摘要
Der Beitrag präsentiert die Forschungsergebnisse des BMBF-Projektes „Fremde im eigenen Land?“, das die zum Teil sehr emotional geführten Debatten um deutsche Identität und Zugehörigkeit vor dem Hintergrund des Erstarkens nationalistischer Politiken in Deutschland zum Anlass nahm, genauer zu untersuchen, was sich die in Deutschland lebenden Menschen eigentlich unter einer gemeinsamen nationalen Identität vorstellen. Mit interviewbasierten und ethnografischen Methoden wurden alltagsweltliche Narrative erhoben, die im Kontext der Debatte um (Nicht-)Zugehörigkeit zur Untermauerung von Exklusions- und Inklusionsansprüchen dienen. Vier Typen nationaler Narrative stehen im Fokus der Analyse: 1) das Narrativ der nationalen Loyalität, 2) das Narrativ des Willens, sich einzuordnen, 3) das Narrativ der ‚Leistungsdeutschen‘ und 4) das ethnobiologische Narrativ der ‚Deutschgeborenen‘. Alle vier Typen nationaler Narrative produzieren hierarchische und normative Unterscheidungen zwischen ‚Deutschen‘ und ‚Nichtdeutschen‘ – oftmals entlang rassistischer und rassifizierender Logiken –, weisen deutliche Kontinuitäten nationalen Denkens auf und sind in vielen Fällen anschlussfähig an politische Diskurse rechter und migrationsfeindlicher Akteur:innen.