Forschungen zu Sinti* und Roma* – eine rassismuskritische Einordnung
摘要
Das Verhältnis von Wissenschaft und den verschiedenen europäischen Gruppen der Roma und Sinti ist stark belastet. Es ist davon belastet, dass die beforschten Menschen bisher kaum die Erfahrung machen konnten, dass Wissenschaft im humanistisch-aufklärerischen Sinne ihre Lage nicht nur angemessen verstanden, sondern zugleich auch verbessert hätte, sowohl kollektiv als auch individuell. Insbesondere im Deutschland der Naziherrschaft mussten die Beforschten erfahren, wie vorgebliche ,Wissenschaft‘ und ,Forschungen‘ dazu dienten, ganze Familien erst zu erfassen, um sie anschließend der Verfolgung und Ermordung zuzuführen. Die Erfassung und Auswertung von ethnologischem (tsiganologischem), ‚rassenwissenschaftlichem‘ Wissen zu Roma und Sinti verband sich von ihrem Beginn an mit herrschaftsstaatlichen Mechanismen der Repression, der Verfolgung und schließlich direkt der Vernichtung ganzer Familien und damit dem Genozid an den europäischen Roma und Sinti (vgl. Fings 2007; Gilsenbach 1993; Jonuz 2009; Schuch 2012, 2016; Wippermann 1997). Bis heute ist die wissenschaftliche Forschungslage immer noch nicht systematisch, dauerhaft und strukturell weder im Blick auf die leitenden Annahmen und Praktiken der Forschung noch in den Konsequenzen für die Situation der Betroffenen nachhaltig geändert.