Roma und Sinti haben in der Bundesrepublik Deutschland den rechtlichen Status einer autochthonen Minderheit und damit staatlichen Schutz und spezifische Förderung. Ihr Zugang zu Bildung und damit verbunden die Situation ihrer Bildungsteilhabe ist jedoch keineswegs gleichberechtigt und chancengleich, sondern von Bildungsbenachteiligung gekennzeichnet. Diese Benachteiligung zeigt sich darin, dass für Kinder und Jugendliche aus diesen Communitys vor allem die Schulen nach wie vor keine sicheren Orte sind, sondern vielmehr Orte, an denen sie Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt sind. Diese Benachteiligung zeigt sich im Weiteren im Bereich der zertifizierten Bildung: In dieser Gruppe gibt es zu wenige höhere Bildungsabschlüsse, eine Überrepräsentation an Sonderschulen, vor allem mit dem Schwerpunkt „Lernen“, zu viele Schulabbrüche und zu wenig qualifizierte Berufsabschlüsse. Wenn wir uns den gesellschaftlichen Umgang und die Reflexion dieser Benachteiligungssituation ansehen, finden wir eine dominante Perspektive darauf: Die Bildungssituation von Roma und Sinti wird in Wissenschaft und Öffentlichkeit (vorrangig den Medien) regelhaft und permanent den Communitys selbst zugeschrieben. Sie gelten als „bildungsunwillig“, kooperierten nicht, hätten scheinbar kein Interesse an Bildung etc. Der institutionelle Rassismus und die damit verbundene Diskriminierung, wie zum Beispiel die routinierte Überweisung auf Sonderschulen, werden hingegen kaum thematisiert. Mit dieser gesamtgesellschaftlichen Dethematisierung von Rassismus und einer professionellen Defizitorientierung hinsichtlich von romani Schüler*innen verfestigt sich jedoch die Situation einer ungleichen Bildungsteilhabe.

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Zur institutionellen Bildungssituation von Sinti* und Roma* in Deutschland – eine akzentuierte Bestandsaufnahme

  • Jane Weiß

摘要

Roma und Sinti haben in der Bundesrepublik Deutschland den rechtlichen Status einer autochthonen Minderheit und damit staatlichen Schutz und spezifische Förderung. Ihr Zugang zu Bildung und damit verbunden die Situation ihrer Bildungsteilhabe ist jedoch keineswegs gleichberechtigt und chancengleich, sondern von Bildungsbenachteiligung gekennzeichnet. Diese Benachteiligung zeigt sich darin, dass für Kinder und Jugendliche aus diesen Communitys vor allem die Schulen nach wie vor keine sicheren Orte sind, sondern vielmehr Orte, an denen sie Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt sind. Diese Benachteiligung zeigt sich im Weiteren im Bereich der zertifizierten Bildung: In dieser Gruppe gibt es zu wenige höhere Bildungsabschlüsse, eine Überrepräsentation an Sonderschulen, vor allem mit dem Schwerpunkt „Lernen“, zu viele Schulabbrüche und zu wenig qualifizierte Berufsabschlüsse. Wenn wir uns den gesellschaftlichen Umgang und die Reflexion dieser Benachteiligungssituation ansehen, finden wir eine dominante Perspektive darauf: Die Bildungssituation von Roma und Sinti wird in Wissenschaft und Öffentlichkeit (vorrangig den Medien) regelhaft und permanent den Communitys selbst zugeschrieben. Sie gelten als „bildungsunwillig“, kooperierten nicht, hätten scheinbar kein Interesse an Bildung etc. Der institutionelle Rassismus und die damit verbundene Diskriminierung, wie zum Beispiel die routinierte Überweisung auf Sonderschulen, werden hingegen kaum thematisiert. Mit dieser gesamtgesellschaftlichen Dethematisierung von Rassismus und einer professionellen Defizitorientierung hinsichtlich von romani Schüler*innen verfestigt sich jedoch die Situation einer ungleichen Bildungsteilhabe.