Die machtanalytische Perspektive der Interpretativen Subjektivierungsanalyse wird als Mehrebenenanalyse konzipiert. Dies impliziert, dass die empirische Untersuchung von Handlungsmächtigkeit einerseits in den Blick nehmen muss, welche Machtverhältnisse in gegebenen Feldern und Situationen bestehen, d. h., welche menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten und Konstellationen auf welche Weise in die Machtrelationen verwoben sind und welche Wirkmächtigkeit dadurch auf welche Kollektive oder Individuen entfaltet wird. Andererseits richtet sich diese machtanalytische Perspektive auf tatsächlich lebende, verkörperte und handelnde Subjekte, deren relationale Subjektivitäten in Machtverhältnissen ent- und bestehen, angerufen und angeleitet, unterworfen und ermächtigt, affiziert und irritiert werden. Die jeweilige Art der Handlungsmacht wird vor dem Hintergrund dieser sich zwischen äußerster Stabilität und beständigem Wandel befindenden Machtrelationen zu untersuchen sein. Diese Ebenentrennung wurde im ersten Hauptteil als in der Subjektivierungsforschung notwendige Unterscheidung diskutiert, die zwar mit theoretischen Konzepten eingeebnet werden kann, wie dies in der poststrukturalistischen Diskurs- und Subjektivierungsanalyse geschieht, die aber, wie sich ebenfalls in diesem Ansatz zeigt, in der Empirie – sofern diese machtanalytisch ausgerichtet ist – nicht zu umgehen ist: Macht als relationales Verhältnis verweist in der empirischen Forschung unumgänglich auf die für die Subjektivierungsforschung als zentral ausgearbeitete Leitdifferenz und Frage danach, wie die Ebenen und Entitäten zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Im Anschluss an die im zweiten Hauptteil eingeführte, an Berger und Luckmann orientierte Unterscheidung von objektiven und subjektiven Wirklichkeiten gilt es daher im Folgenden zu spezifizieren, wie sich die objektivierten Machtverhältnisse und Machtrelationen untersuchen lassen und welche heuristischen Brückenkonzepte es ermöglichen, die relationalen Subjektivitäten zu den jeweiligen Machtordnungen ins Verhältnis zu setzen. Dazu werden die objektiven Wirklichkeiten als Wissensverhältnisse (Abschn. 8.1) in den Blick genommen, die subjektiven Wirklichkeiten als Selbstverhältnisse (Abschn. 8.3). Um deren Relationen zueinander genauer zu bestimmen, wird der Begriff der Vermittlungsverhältnisse (Abschn. 8.2) eingeführt. Abschn. 8.1 rekurriert auf wissensanalytische Konzepte der wissenssoziologischen Diskurs- und Dispositivforschung und arbeitet die konkreten Ebenen der objektiven Wirklichkeiten heraus, welche im Hinblick auf eine Subjektivierungsanalyse relevant sind. Für die daran gekoppelten relationalen Subjektivitäten werden in Abschn. 8.3 die Konzepte der Selbst-Positionierung (Abschn. 8.3.1), der Selbst-Erzählungen (Abschn. 8.3.2) und der Selbst-Praktiken (Abschn. 8.3.3) vorgeschlagen, um die Untersuchung der Machtverhältnisse und Handlungsmacht anzuleiten. Für die ISA ist zudem entscheidend, wie diese beiden Ebenen ineinander übersetzt werden können. Daher sind zum einen die Heuristiken in den Abschn. 8.1 und 8.3 als Brückenkonzepte konzipiert; zum anderen werden die Vermittlungsverhältnisse spezifiziert als Dispositive der Subjektformierung (Abschn. 8.2.1) sowie als Erfahrungsräume und Erfahrungsgemeinschaften (Abschn. 8.2.2).

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Machtanalytische Konzepte der ISA

  • Saša Bosančić

摘要

Die machtanalytische Perspektive der Interpretativen Subjektivierungsanalyse wird als Mehrebenenanalyse konzipiert. Dies impliziert, dass die empirische Untersuchung von Handlungsmächtigkeit einerseits in den Blick nehmen muss, welche Machtverhältnisse in gegebenen Feldern und Situationen bestehen, d. h., welche menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten und Konstellationen auf welche Weise in die Machtrelationen verwoben sind und welche Wirkmächtigkeit dadurch auf welche Kollektive oder Individuen entfaltet wird. Andererseits richtet sich diese machtanalytische Perspektive auf tatsächlich lebende, verkörperte und handelnde Subjekte, deren relationale Subjektivitäten in Machtverhältnissen ent- und bestehen, angerufen und angeleitet, unterworfen und ermächtigt, affiziert und irritiert werden. Die jeweilige Art der Handlungsmacht wird vor dem Hintergrund dieser sich zwischen äußerster Stabilität und beständigem Wandel befindenden Machtrelationen zu untersuchen sein. Diese Ebenentrennung wurde im ersten Hauptteil als in der Subjektivierungsforschung notwendige Unterscheidung diskutiert, die zwar mit theoretischen Konzepten eingeebnet werden kann, wie dies in der poststrukturalistischen Diskurs- und Subjektivierungsanalyse geschieht, die aber, wie sich ebenfalls in diesem Ansatz zeigt, in der Empirie – sofern diese machtanalytisch ausgerichtet ist – nicht zu umgehen ist: Macht als relationales Verhältnis verweist in der empirischen Forschung unumgänglich auf die für die Subjektivierungsforschung als zentral ausgearbeitete Leitdifferenz und Frage danach, wie die Ebenen und Entitäten zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Im Anschluss an die im zweiten Hauptteil eingeführte, an Berger und Luckmann orientierte Unterscheidung von objektiven und subjektiven Wirklichkeiten gilt es daher im Folgenden zu spezifizieren, wie sich die objektivierten Machtverhältnisse und Machtrelationen untersuchen lassen und welche heuristischen Brückenkonzepte es ermöglichen, die relationalen Subjektivitäten zu den jeweiligen Machtordnungen ins Verhältnis zu setzen. Dazu werden die objektiven Wirklichkeiten als Wissensverhältnisse (Abschn. 8.1) in den Blick genommen, die subjektiven Wirklichkeiten als Selbstverhältnisse (Abschn. 8.3). Um deren Relationen zueinander genauer zu bestimmen, wird der Begriff der Vermittlungsverhältnisse (Abschn. 8.2) eingeführt. Abschn. 8.1 rekurriert auf wissensanalytische Konzepte der wissenssoziologischen Diskurs- und Dispositivforschung und arbeitet die konkreten Ebenen der objektiven Wirklichkeiten heraus, welche im Hinblick auf eine Subjektivierungsanalyse relevant sind. Für die daran gekoppelten relationalen Subjektivitäten werden in Abschn. 8.3 die Konzepte der Selbst-Positionierung (Abschn. 8.3.1), der Selbst-Erzählungen (Abschn. 8.3.2) und der Selbst-Praktiken (Abschn. 8.3.3) vorgeschlagen, um die Untersuchung der Machtverhältnisse und Handlungsmacht anzuleiten. Für die ISA ist zudem entscheidend, wie diese beiden Ebenen ineinander übersetzt werden können. Daher sind zum einen die Heuristiken in den Abschn. 8.1 und 8.3 als Brückenkonzepte konzipiert; zum anderen werden die Vermittlungsverhältnisse spezifiziert als Dispositive der Subjektformierung (Abschn. 8.2.1) sowie als Erfahrungsräume und Erfahrungsgemeinschaften (Abschn. 8.2.2).