Ein Zwischenfazit: Handlungsfähigkeit und Handlungsmacht
摘要
Der Subjektivierungsforschung im Anschluss an Butler und Foucault, so läßt sich aus den vorangehenden Ausführungen schlussfolgern, fehlt die Subjektivität, oder, mit anderen Worten: Das Grundproblem der Bezugstheorien besteht darin, kein empirisch tragfähiges Konzept von Subjektivität aufweisen zu können, was zu Folgeproblemen in den Ansätzen der empirischen Subjektivierungsforschung führt, wie in Kap. 4 zusammengefasst wurde. Foucault geht in dieser Hinsicht von einer prinzipiellen Formbarkeit menschlichen Seins aus und interessiert sich lediglich für die historischen Weisen der Formierung von Subjektnormen, ohne dabei ein Konzept menschlicher Handlungsträgerschaft zu entwickeln, das anschlussfähig wäre für die qualitativ-empirischen Untersuchungen konkreter und gelebter menschlicher Selbstverhältnisse. Während es sich demnach bei Foucault um ein ‚zu wenig an Subjektivität‘ handelt, findet sich bei den psychoanalytisch informierten Ansätzen von Butler bis Honneth ein ‚zu viel an Subjektivität‘ – ‚zu viel‘ in dem Sinne, dass die Konstitution menschlicher Innenräume zwar als Ausdifferenzierungsprozess verstanden wird, wie auch in den pragmatistischen Ansätzen, im Gegensatz zu diesen jedoch eine Spezifikation dahingehend erfolgt, welche konkreten ‚Ergebnisse‘ dieser Ausdifferenzierungsprozess zeitigt. Gewiss wird in der pragmatistisch-interpretativen Soziologietradition ebenfalls näher bestimmt, worum es sich bei diesem Innenraum handelt: So differenziert sich nach der Geburt und dem ‚Eintritt‘ in die symbolische Ordnung in Auseinandersetzung mit der menschlichen und nicht-menschlichen Umwelt ein adressierbarer Innenraum aus, der als ein Selbst (Self) konzipiert ist, das bei Mead (1973) als gesellschaftlich geprägtes ‚Me‘ und zugleich als nicht-determiniertes aktivistisch-organismisches ‚I‘ verstanden wird. Damit handelt es sich jedoch lediglich um ein (minimales) Selbst, das sich mit Goffman (1980, 617) als veränderliche Formel charakterisieren lässt, die durch die sozio-historischen Bedingungen konfiguriert wird und mit der man sich auf unterschiedliche Situationen einlässt. Weitere Annahmen über das Selbst sind dann nicht mehr als anthropologische oder universelle Grundannahmen gefasst, sondern dezidiert als historisch situierte Weisen der Subjektnormierung und Selbst-Formierung. So postulieren bspw. die Analysen Goffmans über die Praktiken der Image-Pflege oder der Rollendistanzierungen keine universellen Annahmen über das menschliche Sein, vielmehr versteht er solche Phänomene als Reaktionsweisen auf die Normalitätserwartungen einer spezifischen Gesellschaftsformation (vgl. Abschn. 8.3.1 ).