Fazit: Desiderata und Anschlussmöglichkeiten
摘要
Der gemeinsame Ausgangspunkt der empirischen Subjektivierungsforschung und angrenzender Perspektiven stellt die Annahme dar, dass Menschen im Rahmen von normativen Ordnungen und Subjektkulturen zu Subjekten ‚gemacht‘ werden, indem sie ‚angerufen‘ oder als bestimmte Subjekte adressiert werden. Zugleich wird davon ausgegangen, dass diese Adressierungen nicht determinierend zu verstehen sind und dass es gilt, die Formen der nicht-determinierten und dennoch angeleiteten Praxis der Selbstformung empirisch in den Blick zu nehmen. Eine entscheidende Differenz in diesem ansonsten gemeinsamen Grundverständnis von Subjektivierung ist das zugrunde liegende Subjekt- und Akteursverständnis. Während die (wissens)soziologisch orientierten Ansätze (Kap. 2 ) eher einen vermeintlich ‚starken‘ Subjektbegriff mitführen, gehen die poststrukturalistischen Ansätze (Kap. 3 ) von einem eher ‚schwachen‘ Subjektverständnis aus. Letzteres wird dabei häufig mit der differenztheoretischen Figur der Iterabilität begründet, nach der menschliche Agency bzw. Handlungsträgerschaft nicht in einem intentional und sinnhaft handelnden Subjekt zu verorten ist, sondern sich durch die Mangelhaftigkeit der Strukturen ergibt, die notwendigerweise auf Wiederholungen angewiesen sind, die Wiederholungen jedoch per se zu Bedeutungsverschiebungen führen. Die praxistheoretischen Ansätze (Abschn. 3.2 ) tendieren in ihrer Kritik an der wissenssoziologischen Perspektive ebenfalls dazu, Agency nicht mehr in den handelnden Akteuren zu verorten, sondern als sich lediglich in praktischen Vollzügen entfaltenden Prozess zu begreifen, der nicht auf die Bewusstseinsprozesse der daran beteiligten Menschen zurückgeführt werden kann.