Subjektivierungsanalysen im Interpretativen Paradigma
摘要
Es waren Forscherinnen und Forscher aus der soziologischen Biographieforschung und der wissenssoziologischen Tradition im Anschluss an Berger und Luckmann, die sich schon sehr früh mit der Frage auseinandergesetzt haben, wie sich Diskurse und Biographien bzw. Diskurse und Alltagspraktiken zueinander verhalten. Für die Wissenssoziologie stellt die Arbeit von Angelika Poferl (2004) zur „Kosmopolitik des Alltags“ einen Ausgangspunkt dar, in der Poferl einerseits die diskursive Konstruktion von Umweltbewusstsein und andererseits die jeweiligen umweltbezogenen Lebensführungspraktiken von Alltagsakteuren empirisch in den Blick nimmt. Und für die Biographieforschung ist unter anderem die Studie von Walburga Freitag (2005) über contergangeschädigte Menschen einer der ersten Versuche, Diskurs- und Biographieforschung in einer Triangulationsperspektive zusammenzubringen. Grundlagen für diese Arbeiten bilden dabei die Annahmen des Interpretativen Paradigmas der Soziologie (Keller 2012b), wonach Menschen in bestehenden symbolischen Ordnungen sozialisiert werden und in diesem Prozess sowohl Handlungsfähigkeit als auch Symbolnutzungskompetenzen erwerben. Diese wiederum bilden die Grundlage für die Auseinandersetzungen mit den tradierten kollektiven Wissensbeständen, die im Zuge der Aneignung stabilisiert und transformiert werden können. Die nachfolgende Darstellung beginnt mit Subjektivierungsperspektiven der Biographieforschung und der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie, die sich durch vielfältige Bezugnahmen auf die Tradition des Interpretativen Paradigmas auszeichnen. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der erst vor wenigen Jahren entstandenen wissenssoziologisch-praxeologischen Perspektive der dokumentarischen Subjektivierungsanalyse, die sich zum Teil von diesen Positionen abgrenzt und enger an die klassische Wissenssoziologie von Mannheim anschließt.