Transformer. Medien als Akkumulatoren von Verhältnissen
摘要
Früher in der Öffentlichkeit wenig thematisiert, ist es jetzt beinah unmöglich, dem Ausdruck KI für künstliche Intelligenz auszuweichen. Spätestens seitdem diese Technologie unter dem Namen ChatGPT – GPT für Generative Pretrained Transformers – publik und im Internet für jedermann zur Verfügung gestellt wurde, liegt KI als digitale Mediation in Form von ChatGPT nicht nur im Trend, sondern hat auch eine Reihe gesellschaftlicher Debatten und Kontroversen ausgelöst. Wer sich ein Stück weit mit ChatGPT beschäftigt hat, dürfte ein Gefühl dafür gewonnen haben, welche Richtung die nächsten Entwicklungen im Internet und in den sozialen Medien einschlagen und welche möglicherweise weitreichenden Veränderungen für unsere Gesellschaften damit einhergehen werden. Diese werden dann kaum mehr in den zunehmend durch digitale Relationen in Form von zahlreichen Algorithmen vernetzten Gesellschaften weg zu denken sein (Seyfert 2019, 2021). ChatGPT zeigt allen Akteuren und Instanzen unserer Gesellschaften, und zwar womöglich deutlicher als alle anderen (digitalen) Mediationen zuvor, dass die Macht von Medien und im Allgemeinen von Mediationen deshalb so überwältigend ist, weil sie unsere Verhältnisse zu anderen und zur Welt abfangen, bewerten und weiterentwickeln. Sie sind imstande, jede Stufe der Arbeit an relationalen Ereignissen formal zu generieren, ohne dass dabei Akteure und gesellschaftliche Instanzen notwendig wären. Die Welt der Mediationen ist eine Welt, in der idealerweise nicht mehr die Akteure und die Kollektive anhand von Verhältnissen die Mediationen dieser Verhältnisse kontrollieren, sondern die Mediationen selbst derartige Verhältnisse anhand von Akteuren und Kollektiven kontrollieren. Oder vom Standpunkt des Primats der Zirkulation ausgedrückt: In dieser Welt der Mediationen geht es vor allem darum, dass nicht nur auf Basis von Akteuren und Kollektiven, sondern auch jenseits von ihnen zirkuliert wird.