Recht, Gesellschaft und Biologie. Die deutschsprachige Kriminalsoziologie als eklektisches Projekt
摘要
Die Kriminologie der Zwischenkriegszeit war ein offener Diskursraum, in dem Autoren mit unterschiedlichem disziplinären und institutionellen Hintergrund teilnahmen. Die Juristen, die das kriminalsoziologische Feld dominierten, orientierten sich nicht an soziologischen Theorien. Sie griffen stattdessen auf narrative Versatzstücke aus der Vorkriegszeit zurück. Im kriminologischen Diskurs der Zwischenkriegszeit gab es keine Brandmauer zwischen biologischen und soziologischen Zugängen. Das war durch die selbstverständliche Annahme einer psychophysischen Grundlegung der Persönlichkeit begründet. Für die Kriminalsoziologie der Zwischenkriegszeit führte die fehlende disziplinäre Spezialisierung zu einer konzeptuellen Offenheit, aber auch zu einem methodischen Eklektizismus. Das änderte sich erst in den 1960er-Jahren, als eine junge Generation von Kriminologen mit der Orientierung an amerikanischen Theorien abweichenden Verhaltens einen langfristig wirkenden Neuanfang machten.