Der Mensch als akustisches Interface: Über Prozesse der Einhörung, Übertragung und Übersetzung bei der Liveaudiodeskription und im Blindenfußball
摘要
Der Beitrag plädiert dafür, den Begriff des Interface weiter zu fassen und ihn nicht nur auf die Beziehungen anzuwenden, die wir Menschen zu Technologie haben, sondern auch auf zwischenmenschliche Formen der Übertragung und Übersetzung. Bei einer Liveaudiodeskription in einem Fußballstadion wird beispielsweise Visuelles unmittelbar und instantan in gesprochene Sprache übersetzt, damit die anwesenden sehbehinderten und blinden Fans das Geschehen auf dem Spielfeld besser nachvollziehen können. Bei der Sportart Blindenfußball sorgen der rasselnde Ball, die Banden, die Torpfosten, die „Voy“ rufenden Spieler:innen, die pfeifenden Schiedsrichtenden und die kommandogebenden Guides dafür, dass das Runde auch ohne Sicht ins Eckige geschossen wird, ohne dass sich dabei die blinden Spieler:innen verletzen oder verirren. Eine Kombination aus nichtmenschlichen und menschlichen Akteuren transformiert sich in diesen beispielhaften Situationen zu akustischen Interfaces, die die Teilhabe und das Zusammenspiel ermöglichen. Dieser Beitrag erläutert aus einer medienethnografischen Perspektive, welche Einhörungs-, Übertragungs- und Übersetzungsprozesse dabei relevant werden und welches Potenzial dieses Umdenken von Schnittstellenlogiken mit sich bringt.