Im Jahr 1961 programmierte der Bell Labs-Wissenschaftler John Larry Kelley Jr. einen IBM 704-Großrechner, den Song „A Bicycle Built for Two“ zu singen – ein Ereignis, das heute als erste Vorführung gelungener Sprachsynthese durch einen Computer gilt. In der Tat war die Synthetisierung menschlicher Stimmen eine Art „heiliger Gral“ für Computeringenieur:innen, die ein akustisches Interface zwischen Menschen und Computern etablieren wollten, das sich über gesprochene Sprache realisierte. In der Folge inspirierte die Vorführung eine ganze Generation von fiktiven sprechenden Computern. Doch bereits Jahrzehnte zuvor hatten Autor:innen des goldenen Zeitalters der Science-Fiction synthetisches Sprechen in ihren Schriften imaginiert: in Form sprechender Computer mit vollsynthetischen Stimmen. Diese trugen zum Diskurs um synthetisches Sprechen bei und, so behaupte ich, trieben ihn in neue Richtungen. In diesem Beitrag werde ich Kurzgeschichten untersuchen, die in Science-Fiction-Pulpmagazinen veröffentlicht wurden und in denen sprechende Maschinen vorkommen. Ich beginne im Jahr 1930 mit John C. Campbells Erzählung The Infinite Brain und bewege mich historisch bis zur sowjetischen Erzählung Initiative aus dem Jahr 1959. Mit dem Fokus auf frühe Science-Fiction-Geschichten möchte ich einen essenziellen Teil der Kulturgeschichte synthetischer Stimmen aufarbeiten und zeigen, wie fiktionale Darstellungen akustischer Interfaces deren tatsächliche technische Entwicklung maßgeblich mitgeprägt haben.

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Klang (be)schreiben: Sprachsynthese im goldenen Zeitalter der Science-Fiction (1930–1959)

  • Liz Faber

摘要

Im Jahr 1961 programmierte der Bell Labs-Wissenschaftler John Larry Kelley Jr. einen IBM 704-Großrechner, den Song „A Bicycle Built for Two“ zu singen – ein Ereignis, das heute als erste Vorführung gelungener Sprachsynthese durch einen Computer gilt. In der Tat war die Synthetisierung menschlicher Stimmen eine Art „heiliger Gral“ für Computeringenieur:innen, die ein akustisches Interface zwischen Menschen und Computern etablieren wollten, das sich über gesprochene Sprache realisierte. In der Folge inspirierte die Vorführung eine ganze Generation von fiktiven sprechenden Computern. Doch bereits Jahrzehnte zuvor hatten Autor:innen des goldenen Zeitalters der Science-Fiction synthetisches Sprechen in ihren Schriften imaginiert: in Form sprechender Computer mit vollsynthetischen Stimmen. Diese trugen zum Diskurs um synthetisches Sprechen bei und, so behaupte ich, trieben ihn in neue Richtungen. In diesem Beitrag werde ich Kurzgeschichten untersuchen, die in Science-Fiction-Pulpmagazinen veröffentlicht wurden und in denen sprechende Maschinen vorkommen. Ich beginne im Jahr 1930 mit John C. Campbells Erzählung The Infinite Brain und bewege mich historisch bis zur sowjetischen Erzählung Initiative aus dem Jahr 1959. Mit dem Fokus auf frühe Science-Fiction-Geschichten möchte ich einen essenziellen Teil der Kulturgeschichte synthetischer Stimmen aufarbeiten und zeigen, wie fiktionale Darstellungen akustischer Interfaces deren tatsächliche technische Entwicklung maßgeblich mitgeprägt haben.