Korruption als System: Die Ukraine im Spannungsfeld zwischen Reformen und Beharrungskräften
摘要
Der Artikel analysiert die systemische Korruption in der Ukraine seit ihrer Unabhängigkeit. Diese ist das Ergebnis historischer Erbschaften aus der Sowjetzeit, der Transformationsdynamik der 1990er-Jahre und der Handlungen politischer und wirtschaftlicher Akteure. Anders als in autoritären Regimen wie Russland oder Belarus entwickelte sich in der Ukraine ein System mit mehreren konkurrierenden Machtzentren, geprägt durch verschiedene oligarchische Gruppen und regionale Clans. Die Korruption durchdringt dabei alle staatlichen Ebenen. Sie äußert sich durch ein weitverzweigtes System von Abhängigkeiten und Gefälligkeiten, durch die gezielte Erwirtschaftung überhöhter Gewinne aus staatlichen Ressourcen sowie durch die enge Verflechtung zwischen Geschäftswelt und Politik. Trotz mehrerer Reformversuche, insbesondere nach der Orangen Revolution 2004 und dem Euromaidan 2014, erwies sich das System als erstaunlich beständig. Unter Präsident Zelenskyj und besonders seit dem russischen Angriffskrieg 2022 zeigen sich neue Reformdynamiken. Die Macht der Oligarchen scheint geschwächt, und der EU-Beitrittsprozess erhöht den Reformdruck. Dennoch bleiben strukturelle Probleme bestehen, wie die selektive Anwendung von Antikorruptionsmaßnahmen zeigt.