Zivilgesellschaft, soziale Bewegungen und organisierte Interessen in der Ukraine
摘要
Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit und die Mitarbeit in Organisationen des dritten Sektors sind in der Ukraine Teil eines normativen Selbstverständnisses von Staatsbürgerschaft geworden. In diesem Kapitel zeigt die Autorin, wie die Entwicklung der ukrainischen Zivilgesellschaft eng mit der komplexen Geschichte der Staatsbildung vor und nach 1991 verbunden ist. Sie zeichnet systematisch nach, wie zivilgesellschaftliche Mobilisierung die verschiedenen „Revolutionszyklen“ der modernen ukrainischen Geschichte entscheidend geprägt und vorangetrieben haben. Dabei werden auch die Eigenschaften linker und rechter Bewegungen in der Ukraine thematisiert. Die Autorin argumentiert, dass die Ukraine gerade das Gegenbeispiel dessen sei, was noch in den frühen 2000er-Jahren in der westlichen Zivilgesellschaftsforschung als durchaus konsensfähig galt: dass nämlich im postsowjetischen Raum allgemein und damit auch in der Ukraine die Zivilgesellschaft schwach ausgeprägt oder sogar nicht existent wäre.