In diesem Kapitel wird die Entwicklung der ukrainischen Energiepolitik von 1991 bis heute untersucht und dabei aufgezeigt, wie konkurrierende Interessen die Transformation von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zur CO2-Neutralität im Kontext der europäischen Integration und der Desintegration von Russland beeinflusst haben. Anhand einer Inhaltsanalyse energiebezogener Vorschriften und wichtiger politischer Meilensteine untersuchen die Autoren, wie gegensätzliche Lobby-Gruppen die Energiepolitik der Ukraine geprägt haben. Aus einer akteurszentrierten Perspektive wird systematisch der Frage nachgegangen, warum sich eine grüne Energiewende in der Ukraine als so schwierig erweist. Die Autoren konzentrieren sich auf die Spannungen zwischen „braunen“ Lobbygruppen, russischen Interventionen und Europäisierungsprozessen. Die Ergebnisse zeigen, dass „braune“ Lobbygruppen nach der Unabhängigkeit jahrzehntelang Entscheidungen im Energiesektor maßgeblich beeinflusst haben, ihre Macht jedoch aufgrund des zunehmenden Drucks in Richtung Energiesicherheit und Diversifizierung allmählich abgenommen hat. Die großflächige russische Invasion im Jahr 2022 hat trotz ihrer verheerenden Auswirkungen paradoxerweise die Bestrebungen der Ukraine im Bereich der grünen Energie beschleunigt, indem sie kritische Schwachstellen in der Infrastruktur aufdeckte und einen umfassenden Wiederaufbau des Sektors erforderlich machte. Die Studie zeigt, wie die Ukraine internationalen Verpflichtungen und innenpolitischem Reformdruck trotz ungünstigen politischen Erblasten und verfestigten oligarchischen Strukturen gerecht wurde. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Erholung der Ukraine nach dem Krieg eine einmalige Gelegenheit zur ökologisch nachhaltigen Umstrukturierung ihres Energiesektors bietet.

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Die Energiepolitik der Ukraine: vom braunen Energielobbyismus zum grünen Nachkriegskonjunkturprogramm

  • Nadiya Kostyuchenko,
  • Denys Smolennikov

摘要

In diesem Kapitel wird die Entwicklung der ukrainischen Energiepolitik von 1991 bis heute untersucht und dabei aufgezeigt, wie konkurrierende Interessen die Transformation von der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zur CO2-Neutralität im Kontext der europäischen Integration und der Desintegration von Russland beeinflusst haben. Anhand einer Inhaltsanalyse energiebezogener Vorschriften und wichtiger politischer Meilensteine untersuchen die Autoren, wie gegensätzliche Lobby-Gruppen die Energiepolitik der Ukraine geprägt haben. Aus einer akteurszentrierten Perspektive wird systematisch der Frage nachgegangen, warum sich eine grüne Energiewende in der Ukraine als so schwierig erweist. Die Autoren konzentrieren sich auf die Spannungen zwischen „braunen“ Lobbygruppen, russischen Interventionen und Europäisierungsprozessen. Die Ergebnisse zeigen, dass „braune“ Lobbygruppen nach der Unabhängigkeit jahrzehntelang Entscheidungen im Energiesektor maßgeblich beeinflusst haben, ihre Macht jedoch aufgrund des zunehmenden Drucks in Richtung Energiesicherheit und Diversifizierung allmählich abgenommen hat. Die großflächige russische Invasion im Jahr 2022 hat trotz ihrer verheerenden Auswirkungen paradoxerweise die Bestrebungen der Ukraine im Bereich der grünen Energie beschleunigt, indem sie kritische Schwachstellen in der Infrastruktur aufdeckte und einen umfassenden Wiederaufbau des Sektors erforderlich machte. Die Studie zeigt, wie die Ukraine internationalen Verpflichtungen und innenpolitischem Reformdruck trotz ungünstigen politischen Erblasten und verfestigten oligarchischen Strukturen gerecht wurde. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Erholung der Ukraine nach dem Krieg eine einmalige Gelegenheit zur ökologisch nachhaltigen Umstrukturierung ihres Energiesektors bietet.