Schul- und Hochschulbildung in der Ukraine: Im Spannungsfeld zwischen internen Entwicklungen, globalen Trends und unerwarteten Herausforderungen
摘要
Der Text bietet einen Überblick über die wichtigsten Bildungsreformen in der Ukraine seit der Unabhängigkeit im Spannungsfeld von internen Herausforderungen, globalen Trends und geopolitischen Konflikten. Die Ukraine hat ihr Bildungssystem seit 1991 schrittweise reformiert. Gab es in den 1990er-Jahren, die geprägt waren von einer tiefen Wirtschaftskrise, nur langsame Fortschritte im Bildungsbereich, nahm das Reformtempo ab den 2000er-Jahren durch Modernisierung und Europäisierung zu. Die Reformfortschritte erfolgten dabei oftmals nicht graduell, sondern waren, in Abhängigkeit von politischen Konstellationen, geprägt von einem „Stop-and-go-(back)“-Prozess. Nach der Revolution der Würde 2014 setzte sich ein klarer proeuropäischer Modernisierungskurs durch, der Reformen wie die Einführung der „Neuen Ukrainischen Schule“ umfasste und den Hochschulen mehr Autonomie brachte. Russlands verdeckter Krieg in der Ostukraine ab 2014, die Corona-Pandemie ab 2020 und schließlich die russische Vollinvasion 2022 brachten große Umbrüche und außerordentliche Belastungen für das Bildungssystem mit sich. Angesichts dieser enormen Herausforderungen ist das Bildungswesen jedoch erstaunlich resilient; Digitalisierung und internationale Unterstützung halten den Bildungsbetrieb aufrecht. Oberstes Ziel – und gleichzeitig größte Herausforderung – für die Zukunft stellt neben dem Wiederaufbau die europäische Integration dar.