Ludwig Erhards Wohlstand für alle und die Sozialpolitik heute
摘要
Das „Soziale“ im Wirtschaftssystem der Sozialen Marktwirtschaft hat seit der Fundierung des Konzeptes am Ende des Zweiten Weltkrieges bzw. zu Beginn der Bundesrepublik Deutschland manche Modifikation erfahren. Gegenstand dieses Beitrages ist das Begriffsverständnis von Sozialpolitik und sozialer Sicherheit, wie es Ludwig Erhard in seiner Programmschrift „Wohlstand für alle“ im Jahr 1957 dargelegt hat. Ludwig Erhard verfolgte damit vor allem zwei Anliegen: Er wollte, wie er schrieb, Rechenschaft ablegen für seine politische Arbeit als Wirtschaftsminister und gleichzeitig seine Vorstellungen einer sozialen Marktwirtschaft in die Zukunft projizieren. In Auseinandersetzung mit der im Jahr 1957 durchgeführten Rentenreform, die er als Weg in einen allumfassenden Versorgungsstaat sah, entwickelte er die Vorstellung einer in die Wirtschaftspolitik integrierten Sozialpolitik. Diese sollte auf dem Dreiklang einer den Wettbewerb sichernden Wirtschaftspolitik zum Schutz der individuellen Handlungsautonomie als Voraussetzung für die Schaffung von Wohlstand beruhen. Der so geschaffene Wohlstand selbst ist durch eine die Kaufkraft erhaltende Geldpolitik abzusichern. So verstanden ist die Schaffung von Wohlstand aktive Sozialpolitik. Dieses so rekonstruierte sozialpolitische Verständnis wird zu gegenwärtigen wirtschafts- und sozialpolitischen Entwicklungen kontrastiert, um Verständnisänderungen aufzuzeigen. Dabei werden die Vorstellungen Ludwig Erhards eingebunden in seine wirtschaftstheoretischen wie auch ethischen Fundamente.